Mit schlappen 725 Folgen und einer Geschichte die bis ins Jahr 1963 zurückreicht ist "Doctor Who" wohl eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Serien aller Zeiten (neben StarTrek). Die neuen, seit 2005 gedrehten Folgen zeigt ProSieben nun etwas versteckt jeden Samstag mit einer Doppelfolge von 17 bis 19 Uhr.
Die Hauptfigur ist "Der Doktor", der keinen näher bekannten Namen hat, was dann immer wieder zur Nachfrage "Doktor wer?", also "Doctor who?" führt. Der Doktor gehört einer außerirdischen, aber menschlich aussehenden Spezies an, die sich die Timelords nennen. Wobei der Doktor der letzte seiner Art ist. Die Timelords sind in der Lage durch Raum und Zeit zu reisen, wobei es ihnen aber strikt untersagt ist, sich in die Geschehnisse die sie beobachten einzumischen. Eine Regel, die der Doktor immer wieder bricht, was dann auch immer wieder negative Konsequenzen hat.
Das Raumschiff mit dem sich der Doktor durch Raum und Zeit bewegt ist die TARDIS, eine Abkürzung für "Time And Relative Dimensions In Space". Die TARDIS verfügt über eine Tarnvorrichtung die es ihr ermöglichen soll, sich unauffällig an die jeweilige Umgebung anzupassen. Zu den diversen Defekten unter denen die TARDIS des Doktors leidet gehört aber, daß sie immer wie eine britische Notrufsäule aussieht, die blaue Police box. Erst die Serie hat dazu geführt, daß diese blauen "Polzeihäuschen" in England einen ähnlichen Kultstatus erhielten, wie die noch bekannteren roten Telefonzellen.
Die Tatsache, daß der Schauspieler der den Doktor spielt über 40 Jahre hinweg immer wieder ausgewechselt werden mußte, wurde in den Plot der Serie integriert. Der Doktor reinkarniert immer wieder. So gab es bereits 10 Schauspieler, die die Rolle des Doctor Who übernahmen, in der ersten der neueren Staffeln aus dem Jahr 2005 wird er von Christopher Eccleston gespielt ("9. Doktor"), nach dessen Ausstieg aus der Serie dann von David Tennant ("10. Doktor").
An der Seite des Doktors befanden sich seit jeher diverse Companions, meistens Erdenbürger aus der Gegenwart, die den Doktor neugierig begleiten und ihm in zahlreichen Auseinandersetzungen mit böswilligen Außerirdischen beistehen. In den aktuellen Folgen wird diese Rolle durch Billie Piper wahrgenommen, die die attraktive Verkäuferin Rose Tyler spielt.
Gleich in der ersten Folge wird Rose von zum Leben erwachten Plastik-Schaufensterpuppen angegriffen. Der Doktor rettet sie und Rose revanchiert sich in dem sie ihrerseits den Doktor im Kampf mit dem "Chef-Plastik-Monster" rettet. Daraufhin nimmt der Doktor sie mit und beide reisen in der zweiten Folge fünf Milliarden Jahre in die Zukunft, wo der Erde die endgültige Vernichtung durch das natürliche Erlöschen (Kollabieren) der Sonne bevorsteht. Der "letzte Mensch" ist eine Frau die aussieht wie ein aufgespanntes Laken und einen Anschlag auf die VIPs plant, die dem außergewöhnlichen Spektakel von einer Raumstation aus beiwohnen wollen.
Die neuen Folgen von Doctor Who scheinen gut gelungen, der oft trocken-britische Humor mit vielen Anspielungen auf gesellschaftliche Zustände in der Gegenwart schimmert immer wieder durch. Hatten die alten klassischen Folgen früher nur 25 min. und ausgesprochen "brutale" (oft nervige) Cliffhanger, haben die neuen Folgen nun jeweils 45 min. und sind jeweils in sich abgeschlossen (von einigen Doppelfolgen mal abgesehen). Die Serie macht dies deutlich sehenswerter. Auch moderne Special Effects haben natürlich Einzug erhalten, allerdings nicht so massiv, daß sie die Handlung überdecken würden.
Daß ProSieben diese von der BBC produzierte eigentlich auch für die Primetime gedachte Serie ins nachmittägliche Samstag-Programm abschiebt ist ebenso typisch wie peinlich. Eine derartig gutgemachte Kultserie hat einen würdigeren Sendeplatz verdient. Andererseits muß man vermutlich dankbar sein, daß ProSieben die Serie überhaupt ausstrahlt. Bleibt abzuwarten, ob sie die erste Staffel wenigstens konsequent durchsenden und dann vielleicht sogar die zweite nachlegen.
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Montag, Januar 28, 2008
Freitag, Dezember 28, 2007
Baile Funk
In der Tracks-Sendung vom 13.12. gab es einen Beitrag zum brasilianischen "Baile Funk" (auch "Rio Funk", "Favela Funk" oder "Funk Carioca"), den ich ziemlich beeindruckend fand und der sich zum Glück auch bei YouTube findet:
In der Wikipedia kann man nachlesen:
"Die Stilrichtung entstand in den mittleren 80er Jahren aus der Miami-Bass-Musik der USA, einer schnellen, von elektronischen Beats gekennzeichneten Spielform des Hip Hop, die in Referenz auf das Stück 'Planet Rock' von Afrika Bambaataa entstand. Im Unterschied zum Miami Bass legten die brasilianischen Funkeiros unter den typischen Sound des Drumcomputers TR-808 auch traditionelle, brasilianische Percussionrhythmen.
Die Texte im Rio Funk handeln, ähnlich explizit wie im amerikanischen Gangsta Rap, von Sex, Drogen und Kriminalität und sind oft extrem gewaltverherrlichend - sie spiegeln den sozialen Alltag in den Favelas, den Slums von Rio de Janeiro wieder. Die große Mehrheit der Funk-Künstler stammen aus den Favelas.
Baile Funk wird auf 'Funk-Bällen' zelebriert, diemeist in Turnhallen oder Fußballplätzen der Favelas stattfinden. Die Musik wurde in Europa zunächst vor allem wegen der oft in Massenschlägereien ausartenden Bailes de Corredor (auch Funk Balls genannt) berüchtigt
Bei den 'Bailes de Corredor' spaltete sich ein Teil der Tänzer in zwei Seiten, die oft zwei rivalisierenden Gangs des Viertels entsprachen. Zwischen diesen beiden Lados gibt es einen Korridor, in dem die Funkeiros sich gegenseitig kampflustig anspringen - kontrolliert von Security Guards, die die Funkeiros vor allzu gewalttätigen Übergriffen abhielten.
Die Bailes de Corredor wurden aufgrund der zahlreichen Todesfälle während dieser Veranstaltungen im Jahr 1992 verboten; dennoch sterben in Rio weiterhin jedes Wochenende Funkeiros, vor allem während Drogengeschäften, Polizeirazzien oder Gang bedingten Gewaltaktionen. Der Beliebtheit des Musikstils tut dies indes keinen Abbruch. Heute liebt auch das weiße, wohlhabende Rio de Janeiro den Funk, und tanzt in den Stadtteilen Copacabana, Ipanema oder Leblon auf Funk-Partys..." (Wikipedia)
My-Space-Profile von einigen bekannten Baile Funk Acts:
Einfach mal reinhören, zumindest einige Stücke klingen wirklich nicht schlecht.
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Freitag, November 16, 2007
Die Wurstigkeit des SPIEGELS unter Stefan Aust
"... Tatsächlich wirkte der Spiegel viel zu oft so, als säße der Chefredakteur irgendwo in Stade im Pferdestall oder so tief in die Ledersitze eines VW-Touareg oder Porsche 911 versunken, dass man kaum noch rausschauen kann. Mal erklärte das Nachrichtenmagazin auf dem Titel Hamburg zur coolsten Stadt der Welt, dann entdeckte er 'Second Life' oder pries die Klimakatastrophe als touristischen Heilsbringer für Sibirien. Die Strom-Industrie wurde quasi jede Woche anders bewertet: Mal klarsichtig als oligarchische Krake, dann wieder als letzter Hort der Vernunft in Zeiten der Klimahysterie.
... Diese Form der Wurstigkeit hat selbst den loyalsten Redakteuren mittlerweile klargemacht, dass etwas schief läuft beim Nachrichtenmagazin, und dass der Themenkanon des Chefredakteurs wohl doch nicht mehr ausreicht, um ein zeitgemäßes Blatt zu machen. Es gibt kein Bernsteinzimmer mehr auszugraben, keine Bugklappe der 'Estonia' zu heben, kein Gehirn der Meinhof mehr zu untersuchen - das waren so die Steckenpferde des Spiegel-Chefs, danach wurde er irgendwie lustlos. Zumal es auch nicht klappte, Joschka Fischer zu stürzen.
... Der Spiegel hat in einer immer ausdifferenzierteren Gesellschaft, in der etliche Lebensstile nebeneinander existieren, unbeirrbar ein zu großes Raster angelegt und immer neue Trends ausgerufen, die in Wahrheit nicht nur haarscharf an der Realität vorbeigingen. Der Kampf gegen die Windkraft, das Gerede vom 'neuen Bürgertum', der nicht nachlassende Furor gehen die politischen Gutmenschen, die es in der Zahl, wie sie der Spiegel bekämpft, ja nie gegeben hat - wen interessierte das denn noch?
Was hatte das mit der Realität außerhalb des Restaurant Borchardt zu tun, in dessen Sesseln Aust, Schirrmacher und Springer-Chef Mathias Döpfner einst den Sturm auf die Rechtschreibreform planten. Dass sich Aust in dieser Situation zum Büttel von Bild-Chef Kai Diekmann und dem Springer-Verlag hat machen lassen, ist eigentlich der größte Sündenfall in seiner Spiegel-Karriere..."
(Oliver Gehrs)
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Sonntag, November 11, 2007
Hotel Ruanda
In der Nacht von Sonntag (11.11.) auf Montag läuft um Punkt 0 Uhr in der ARD die deutsche FreeTV-Premiere von "Hotel Ruanda" (2004), dem vermutlich bedeutendsten Spielfilm zum Völkermord in Ruanda im Jahr 1994.
1994 ist in Kigali (Hauptstadt von Ruanda) eine Hutu-Regierung an der Macht, die unter anderem von Frankreich unterstützt wird (siehe dazu: "Leugnen und Vertuschen", Telepolis, 01.12.06). Sie liefert sich erbitterte Kämpfe mit der Ruandischen Patriotischen Front (RPF), die von den Tutsi dominiert wird, aus dem Nachbarland Uganda heraus agiert und von den USA unterstützt wird.
Der bis heute nicht aufgeklärte Abschuß der Maschine des ruandischen Präsidenten der Hutu-Regierung wird Anfang April 1994 von radikalen Hutu als Anlaß dafür genommen, gegen gemäßigte Hutu und alle Tutsi im Land vorzugehen. "Um den Ablauf des Völkermords besser planen zu können, wurden im Vorfeld Listen mit missliebigen Personen erstellt ... Einige Hutu-Geschäftsleute hatten bereits weit im Voraus Tausende von Macheten für $0,90/Stück aus China erworben, die als billige Waffen für den Völkermord eingesetzt werden sollten ... Zwei Drittel der Opfer wurden mit Macheten oder Keulen erschlagen, zu Tode geprügelt oder ertränkt. Da diese Tötungsarten körperlich sehr anstrengend sind, musste in Schichten 'gearbeitet' werden" (Wikipedia).
Der Genozid dauerte "nur" 100 Tage, in diesen Zeitraum wurden aber zwischen 500.000 und eine 1 Million Menschen massakriert. Damit handelt es sich um den größten Völkermord nach 1945. Weiterhin wurden zwischen 250.000 und 500.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt, 70% davon mit AIDS infiziert. Es gab 2 Millionen Flüchtlinge, die in Nachbarländern für Spannungen sorgten.
Mitverantwortung wird auch der internationalen Gemeinschaft zugewiesen, da diese den Völkermord lange leugnete und ihn als "Bürgerkrieg" klassifizierte, um nicht stärker eingreifen zu müssen. Die in Ruanda stationierten UNAMIR-Truppen waren nicht in der Lage den Völkermord zu unterbinden.
Der Film "Hotel Ruanda" konzentriert sich nun auf einen "Lichtblick" in diesem apokalyptischen Massaker. Regisseur Terry George erzählt die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte des Hôtel des Mille Colline in Kingali während des Völkermordes.
Der stellvertretende Hotelmanager Paul Rusesabagina (gespielt von Don Cheadle) und seine Frau Tatiana Rusesabagina (Sophie Okonedo) machten aus dem Hotel eine Zufluchtsstätte für 1268 Menschen, welche so vor dem sicheren Tode bewahrt werden konnten. Paul Rusesabagina wurde daher oft auch als "afrikanischer Oskar Schindler" bezeichnet.
Terry George ist mit "Hotel Ruanda" das Kunsstück gelungen, einen unglaublich bedrückenden Film zu drehen, der den Wahnsinn des Genozids einfängt, dabei aber auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet.
Der Film gewann zahlreiche Preise und war unter anderem auch für drei Oscars nominiert (Don Cheadle als bester Hauptdarsteller, Sophie Okonedo als beste Nebendarstellerin und Keir Pearson / Terry George für das beste Drehbuch).
Warum ein cineastisch wie politisch so wichtiger Film in seiner Erstausstrahlung ins Nachtprogramm verbannt wird, bleibt das Geheimnis der ARD. Mit einer Altersfreigabe von FSK 12 hätte jedenfalls nichts dagegen gesprochen, einen früheren Sendeplatz zu wählen.
1994 ist in Kigali (Hauptstadt von Ruanda) eine Hutu-Regierung an der Macht, die unter anderem von Frankreich unterstützt wird (siehe dazu: "Leugnen und Vertuschen", Telepolis, 01.12.06). Sie liefert sich erbitterte Kämpfe mit der Ruandischen Patriotischen Front (RPF), die von den Tutsi dominiert wird, aus dem Nachbarland Uganda heraus agiert und von den USA unterstützt wird.
Der bis heute nicht aufgeklärte Abschuß der Maschine des ruandischen Präsidenten der Hutu-Regierung wird Anfang April 1994 von radikalen Hutu als Anlaß dafür genommen, gegen gemäßigte Hutu und alle Tutsi im Land vorzugehen. "Um den Ablauf des Völkermords besser planen zu können, wurden im Vorfeld Listen mit missliebigen Personen erstellt ... Einige Hutu-Geschäftsleute hatten bereits weit im Voraus Tausende von Macheten für $0,90/Stück aus China erworben, die als billige Waffen für den Völkermord eingesetzt werden sollten ... Zwei Drittel der Opfer wurden mit Macheten oder Keulen erschlagen, zu Tode geprügelt oder ertränkt. Da diese Tötungsarten körperlich sehr anstrengend sind, musste in Schichten 'gearbeitet' werden" (Wikipedia).
Der Genozid dauerte "nur" 100 Tage, in diesen Zeitraum wurden aber zwischen 500.000 und eine 1 Million Menschen massakriert. Damit handelt es sich um den größten Völkermord nach 1945. Weiterhin wurden zwischen 250.000 und 500.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt, 70% davon mit AIDS infiziert. Es gab 2 Millionen Flüchtlinge, die in Nachbarländern für Spannungen sorgten.
Mitverantwortung wird auch der internationalen Gemeinschaft zugewiesen, da diese den Völkermord lange leugnete und ihn als "Bürgerkrieg" klassifizierte, um nicht stärker eingreifen zu müssen. Die in Ruanda stationierten UNAMIR-Truppen waren nicht in der Lage den Völkermord zu unterbinden.
Der Film "Hotel Ruanda" konzentriert sich nun auf einen "Lichtblick" in diesem apokalyptischen Massaker. Regisseur Terry George erzählt die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte des Hôtel des Mille Colline in Kingali während des Völkermordes.
Der stellvertretende Hotelmanager Paul Rusesabagina (gespielt von Don Cheadle) und seine Frau Tatiana Rusesabagina (Sophie Okonedo) machten aus dem Hotel eine Zufluchtsstätte für 1268 Menschen, welche so vor dem sicheren Tode bewahrt werden konnten. Paul Rusesabagina wurde daher oft auch als "afrikanischer Oskar Schindler" bezeichnet.
"Im Mittelpunkt des Films stehen Paul Rusesabagina und das Schicksal seiner Familie. Daneben wird auch das Versagen der Weltöffentlichkeit und der UNO deutlich, die Ursachen des Völkermords werden jedoch nur am Rand gestreift. Auf blutige Szenen wurde weitgehend verzichtet.
Das planmäßige Vorgehen der Génocidaires – vor allem in Form der Interahamwe-Miliz organisiert – und die Rolle des Senders Radio-Télévision Libre des Mille Collines wird dennoch sehr deutlich. Die Figur des Colonel Oliver [Nick Nolte] trägt viele Züge von Roméo Dallaire, der als Chef der nach Beginn des Völkermords stark reduzierten UNO-Blauhelm-Truppe UNAMIR vor Ort war." (Wikipedia)
Terry George ist mit "Hotel Ruanda" das Kunsstück gelungen, einen unglaublich bedrückenden Film zu drehen, der den Wahnsinn des Genozids einfängt, dabei aber auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet.
Der Film gewann zahlreiche Preise und war unter anderem auch für drei Oscars nominiert (Don Cheadle als bester Hauptdarsteller, Sophie Okonedo als beste Nebendarstellerin und Keir Pearson / Terry George für das beste Drehbuch).
Warum ein cineastisch wie politisch so wichtiger Film in seiner Erstausstrahlung ins Nachtprogramm verbannt wird, bleibt das Geheimnis der ARD. Mit einer Altersfreigabe von FSK 12 hätte jedenfalls nichts dagegen gesprochen, einen früheren Sendeplatz zu wählen.
Samstag, November 03, 2007
ROFLcast
Die "Rote Online Fraktion Leipizig" (ROFL) (eine satirische Anspielung auf die RAF) publiziert auf YouTube regelmässig ihren PodCast, der sich mit aktuellen Themen wie dem "Fachkräftemangel", der "Jugendarbeit" oder eben in der neusten Ausgabe der "Überwachung" beschäftigt.
Da sie sich dem staatlichen "Überwachungsterror" nicht beugen will, beschließt die ROFL sich lieber selbst zu überwachen, mit interessanten Ergebnissen... :p
via Telepolis
Mittwoch, Oktober 31, 2007
Jeff Dunham: Achmed, the Dead Terrorist
Jeff Dunham gilt als einer der zur Zeit beliebtesten Bauchredner und Stand-up Comedians in den USA. Er arbeitet mit diversen Bauchredner-Puppen (von diesen ist "Walter" vermutlich die bekannteste), jede hat einen eigenen Charakter und ein eigenes Markenzeichen .
Eine von Dunhams neusten Puppen ist "Achmed, the Dead Terrorist", ein Selbstmordattentäter, der nicht ganz so Furcht einflößend ist, wie er gerne wäre und nicht wahr haben will, daß er schon tot ist.
Auszüge:
Achmed: "Silence, I kill you!"
Achmed: "God-damn-it."
Achmed: "Oh, oh, I mean Allah-damn-it!"
Achmed: "Okay, I will not move my ass."
Walter: "You idiot, you don't have an ass."
Achmed: "Saddam's mustard gas is nothing compared to a Walter fart."
Dunham: "Look, if you've been in my suitcase all this time, how do we got thru security at the airports?"
Achmed: "Oh, that's easy, they open the suitcase and I go: 'Helloooo, I'm Lindsay Lohan.'"
Dunham: "So where do you get your recruits?"
Achmed: "The suicide hotline."
Dunham: "So do you like beeing in [Washington] D.C.?"
Achmed: "I think some idiots must live here."
Dunham: "Why?"
Achmed: "For example the Washington Monument".
Dunham: "Yes?"
Achmed: "It looks nothing like the guy. It looks more like a tribute to Bill Clinton."
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Freitag, Oktober 19, 2007
Hitler hatte einen Globus! -- Bahnbrechende Erkenntnisse auf einestages.de
Spiegel Online wollte wohl einfach nicht mehr die Entwicklung des Web 2.0 nur von außen betrachten. Zu verfüherisch die Idee, daß man selbst nur noch als Aggregator firmiert und die eigentliche Arbeit in Form der Erstellung von Inhalten dem gemeinen Internetnutzer überläßt.
Mit seinem neuen Portal "einestags.de" wagt Spiegel Online daher nun selbst den Einstieg ins Mitmach-Netz und beschreibt das neue Projekt wie folgt:
Nun haben Zeitzeugenberichte natürlich durchaus einen gewissen Aussagewert und in der Tat läßt sich über sie Geschichte oft erschließen. Trotzdem besteht hier natürlich auch immer die Gefahr, daß die Momentaufnahme eines Einzelnen die Wahrnehmung einer historischen Gegebenheit verzehrt. Und selbst wenn es nicht gleich soweit kommt: Im günstigsten Fall wird es doch darauf hinauslaufen, daß sich auf "einestages" Trivialitäten ansammeln -- mehr oder minder nette Anekdoten die oft nichtssagend sind.
Was sagt dem Leser zum Beispiel die Erkenntnis, daß Andreas Baader eine Haßliebe zu Autos hatte oder daß jetzt in den USA Hitlers Globus aufgetaucht ist? Wow, Hitler hatte einen Globus!
Demnächst dann vermutlich bei "einestages.de": Irmgard M. kann sich nicht erinnern ob sie am 9. November 1989 weinen mußte, weil die Mauer fiel oder weil sie gerade Zwiebeln schnitt, Peter D. hat auf seinem Dachboden das Diaphragma von Eva Braun gefunden und der Urgroßvater von Sven D. gesteht in einem Brief daß er Kaiser Wilhelm II. nicht nur im übertragenden Sinne liebt.
Andere Storys wie das "Wunder der Anden" samt Kannibalismus-Diskussion oder Menachem Begins Verwicklung in das Attentat auf Adenauer kauen nur hinlänglich Bekanntes wieder.
Besonderen Wert legt man auf Fotos, doch selbst wenn man hier unterstellt, daß einige Fotos bisher unbekannt waren, so sind sie in der Regel nicht besonders aussagekräftig oder spektakulär.
Insgesamt ein recht fader Ansatz, der aber zur medialen Tendenz paßt, zunehmend immer stärker Einzelschicksale, Momentaufnahmen und Banalitäten zu fokussieren. Schade, daß die Redakteure von einestages.de offenbar nicht lesen, was z.B. ihr Kollege Reinhard Mohr schreibt.
Mit seinem neuen Portal "einestags.de" wagt Spiegel Online daher nun selbst den Einstieg ins Mitmach-Netz und beschreibt das neue Projekt wie folgt:
"einestages ist das neue Zeitgeschichte(n)-Portal von SPIEGEL ONLINE. Hier können Sie Geschichte sehen, Geschichte lesen - und Geschichte schreiben. Denn einestages macht Sie, die Leser zu Partnern in einem neuen und einmaligen Projekt: dem Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses unserer Geschichte.
(...) Sie waren dabei, als die Mauer fiel? Als der Tsunami Thailand verwüstete? Beim ersten Konzert von Tokio Hotel? Haben Sie Fotos davon? Werden Sie Zeitzeuge, schreiben Sie auf einestages Ihre ganz persönlichen Zeitgeschichten." ("Was ist einestages?")
(...) Ganz klar: Im Mittelpunkt steht das turbulente 20. Jahrhundert - aber eben das lange 20. Jahrhundert: Urgroßvaters Briefe aus der Zeit der Reichsgründung um 1870/71 sind genauso Dokumente für einestages wie das Handyfoto vom Tsunami Weihnachten 2004. ("Was ist Zeitgeschichte?")
(...) Die Nachkriegsjahre, der Deutsche Herbst, die Wiedervereinigung sind wichtige Themen für einestages. Doch unsere Vergangenheit ist mehr als graue Weltpolitik: Die Tapeten der siebziger Jahre, die ersten Handys, die WM 1974, die Oderflut - all diese Themen haben sich eingebrannt in unser kollektives Gedächtnis." ("Was sind Themen")
Nun haben Zeitzeugenberichte natürlich durchaus einen gewissen Aussagewert und in der Tat läßt sich über sie Geschichte oft erschließen. Trotzdem besteht hier natürlich auch immer die Gefahr, daß die Momentaufnahme eines Einzelnen die Wahrnehmung einer historischen Gegebenheit verzehrt. Und selbst wenn es nicht gleich soweit kommt: Im günstigsten Fall wird es doch darauf hinauslaufen, daß sich auf "einestages" Trivialitäten ansammeln -- mehr oder minder nette Anekdoten die oft nichtssagend sind.
Was sagt dem Leser zum Beispiel die Erkenntnis, daß Andreas Baader eine Haßliebe zu Autos hatte oder daß jetzt in den USA Hitlers Globus aufgetaucht ist? Wow, Hitler hatte einen Globus!
Demnächst dann vermutlich bei "einestages.de": Irmgard M. kann sich nicht erinnern ob sie am 9. November 1989 weinen mußte, weil die Mauer fiel oder weil sie gerade Zwiebeln schnitt, Peter D. hat auf seinem Dachboden das Diaphragma von Eva Braun gefunden und der Urgroßvater von Sven D. gesteht in einem Brief daß er Kaiser Wilhelm II. nicht nur im übertragenden Sinne liebt.
Andere Storys wie das "Wunder der Anden" samt Kannibalismus-Diskussion oder Menachem Begins Verwicklung in das Attentat auf Adenauer kauen nur hinlänglich Bekanntes wieder.
Besonderen Wert legt man auf Fotos, doch selbst wenn man hier unterstellt, daß einige Fotos bisher unbekannt waren, so sind sie in der Regel nicht besonders aussagekräftig oder spektakulär.
Insgesamt ein recht fader Ansatz, der aber zur medialen Tendenz paßt, zunehmend immer stärker Einzelschicksale, Momentaufnahmen und Banalitäten zu fokussieren. Schade, daß die Redakteure von einestages.de offenbar nicht lesen, was z.B. ihr Kollege Reinhard Mohr schreibt.
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Donnerstag, Oktober 18, 2007
Uwe Boll -- Postal Trailer
Uwe Boll steht in dem zweifelhaften Ruf, einer der schlechtesten Regisseure der Welt zu sein. "Verdient" hat er sich diesen Ruf mit einigen Videospiel-Adaptionen die von Kritikern zerrissen und von den Zuschauern (sofern vorhanden) geschmäht wurden.
Zwei seiner Videospielverfilmungen "House of the Dead" (2003) und "Alone in the Dark" (2005), finden sich zur Zeit (Oktober 2007) unter den "IMDb Bottom 100", den schlechtesten 100 Filmen in der IMDb-Datenbank (bei insgesamt ca. 380.000 Einträgen). Und auch die dritte Verfilmung, "BloodRayne" (2006), fand sich zwischenzeitlich schon einmal in besagter Liste. Aber auch anderen Boll-Filmen, die keine Videospiel-Adaptionen sind, wie z.B. der kanadische Horrofilm "Seed" (2007), wird diese "Ehre" zu teil. An Nominierungen für die "Goldene Himbeere" mangelt es seinen Filmen ebenfalls nicht.
Boll sieht sich selbst dabei allerdings offenbar immer als eine Art verkanntes Genie. Es sei die Filmindustrie die keine Ahnung habe. Stefan Höltgen formuliert es wie folgt:
Der Konfrontationskurs den Boll dabei einschlägt trägt teilweise bizarre Züge. So forderte er im Juni 2006 seine fünf härtesten Kritiker zu einem Boxkampf heraus, ein Angebot das einige Kritiker dann auch annahmen (en.wikipedia).
Auch Bolls neuster Film, "Postal", ist wieder eine Videospielverfilmung. Er läuft am heutigen 18. Oktober an und handelt von einer kruden Story über einen penisförmigen Merchandising-Artikel, eine Sekte in finanziellen Schwierigkeiten, den Taliban und einem Vergnüngungspark namens "Little Germany" (näheres bei Telepolis). Prägend ist ein schwarzer Humor mit durch und durch politisch inkorrekten Zoten.
Kultstatus hat bereits der Trailer zum Film erreicht, der zwei Terroristen im Cockpit kurz von den 9/11-Anschlägen zeigt. Gegenstand des Gesprächs der beiden ist, wie viele Jungfrauen eigentlich auf einen Muslim im Paradies nach dem Märtyrertod warten. Dabei entdecken sie Ungereimtheiten und werden skeptisch. Schließlich wollen sie ihre Mission abbrechen, doch dann...
Der Trailer erhielt sogar Lob von höchster Stelle in Sachen Satire, nämlich vom Titanic Magazin. Glaubt man Stefan Höltgen, kann Boll aber das Level vom Trailer nicht halten:
Höltgen kommt zu dem vernichtenden Urteil der Film sei eine "ästhetische Katastrophe" und ein "rechtspopulistisches Boll-Werk". Dessen ungeachtet: Zumindest der besagte Trailer ist witzig :D.
Zwei seiner Videospielverfilmungen "House of the Dead" (2003) und "Alone in the Dark" (2005), finden sich zur Zeit (Oktober 2007) unter den "IMDb Bottom 100", den schlechtesten 100 Filmen in der IMDb-Datenbank (bei insgesamt ca. 380.000 Einträgen). Und auch die dritte Verfilmung, "BloodRayne" (2006), fand sich zwischenzeitlich schon einmal in besagter Liste. Aber auch anderen Boll-Filmen, die keine Videospiel-Adaptionen sind, wie z.B. der kanadische Horrofilm "Seed" (2007), wird diese "Ehre" zu teil. An Nominierungen für die "Goldene Himbeere" mangelt es seinen Filmen ebenfalls nicht.
Boll sieht sich selbst dabei allerdings offenbar immer als eine Art verkanntes Genie. Es sei die Filmindustrie die keine Ahnung habe. Stefan Höltgen formuliert es wie folgt:
"Boll war von allen Filmhochschulen abgelehnt worden, sämtliche seiner Filmförderanträge waren gescheitert, Verleiher wollten nichts von seinem Film wissen und auch als Praktikant bei Fernsehsendern konnte er nicht Fuß fassen. Erst durch trickreiche Fälschungen von Presseausweisen und Anmaßung von Redakteurs-Posten wurden ihm die Türen geöffnet. Das alles hat ihn nicht etwa zu der Erkenntnis geführt, dass es vielleicht an ihm und seinem Talent liegen könnte, wenn er nicht vorankam, sondern daran, dass die Medienbranche in Deutschland eben korrupt und ahnungslos ist." (Telepolis, 23.09.07)
Der Konfrontationskurs den Boll dabei einschlägt trägt teilweise bizarre Züge. So forderte er im Juni 2006 seine fünf härtesten Kritiker zu einem Boxkampf heraus, ein Angebot das einige Kritiker dann auch annahmen (en.wikipedia).
Auch Bolls neuster Film, "Postal", ist wieder eine Videospielverfilmung. Er läuft am heutigen 18. Oktober an und handelt von einer kruden Story über einen penisförmigen Merchandising-Artikel, eine Sekte in finanziellen Schwierigkeiten, den Taliban und einem Vergnüngungspark namens "Little Germany" (näheres bei Telepolis). Prägend ist ein schwarzer Humor mit durch und durch politisch inkorrekten Zoten.
Kultstatus hat bereits der Trailer zum Film erreicht, der zwei Terroristen im Cockpit kurz von den 9/11-Anschlägen zeigt. Gegenstand des Gesprächs der beiden ist, wie viele Jungfrauen eigentlich auf einen Muslim im Paradies nach dem Märtyrertod warten. Dabei entdecken sie Ungereimtheiten und werden skeptisch. Schließlich wollen sie ihre Mission abbrechen, doch dann...
Der Trailer erhielt sogar Lob von höchster Stelle in Sachen Satire, nämlich vom Titanic Magazin. Glaubt man Stefan Höltgen, kann Boll aber das Level vom Trailer nicht halten:
"In einer einzigen Szene (jener, die wohl bewusst deshalb als Teaser seit ein paar Wochen durch das Internet geistert und sogar die Zeitschrift Titanic zu Lob veranlaßt hat) gelingt ihm dies. Der Rest des Films zerrt einfach Plattitüden, die Boll als 'politisch unkorrekt' annimmt, vor die Kamera und formuliert sie aus." (Telepolis, 23.09.07)
Höltgen kommt zu dem vernichtenden Urteil der Film sei eine "ästhetische Katastrophe" und ein "rechtspopulistisches Boll-Werk". Dessen ungeachtet: Zumindest der besagte Trailer ist witzig :D.
Freitag, Oktober 05, 2007
Dear Wendy
"Dear Wendy" (2005) ist ein europäischer Spielfilm (produziert in Dänemark, Frankreich, Deutschland und GB) des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg nach einem Drehbuch seines Landmanns Lars von Trier (beide Mitbegründer des sog. "Dogma-Kinos"; wobei ich aber "Dear Wendy" definitiv nicht in diese Kategorie zählen würde).
Der Film spielt im us-amerikanischen Estherslope, einem fiktiven, im Niedergang begriffenen Provinznest in dem man entweder im Bergwerk arbeitet oder nicht viel zu tun hat. Dick (Jamie Bell), ein eher schmächtig wirkender Jugendlicher, hat überhaupt keine Lust dem Wunsch seines Vaters Folge zu leisten und wie dieser im Bergwerk zu arbeiten. Stattdessen hilft er zusammen mit dem gleichaltrigen Stevie (Mark Webber) lieber im örtlichen Supermarkt aus.
Für Sebastian (Danso Gordon), den Enkel der für Dicks Vater tätigen schwarzen Haushälterin Clarabelle (Novella Nelson), soll er ein Geburtstagsgeschenk besorgen und geht dazu in den örtlichen Spielzeugladen, in dem die introvertierte Susan (Alison Pill) für ihre Mutter arbeitet.
Da Dick Sebastian nicht leiden kann, ersteht er eine aus seiner Sicht häßliche Spielzeugpistole. Als er jedoch von Clarabelle erfährt, daß Sebastian generell sehr auf Waffen abfährt, sucht er sich lieber ein alternatives Geschenk (eine Ausgabe von Oscar Wildes berühmten Werk "Das Bildnis des Dorian Gray" bei der die letzten 20 Seiten fehlen). Einmal, da er wie beschrieben für Sebastian ein Geschenk will, das diesen nach Möglichkeit enttäuschen soll, zum anderen, da er sich selbst als Pazifist versteht und den gewaltaffinen Sebastian nicht mit einer Waffe auf dumme Ideen bringen möchte.
Da er nun ein neues Geschenk hat, möchte er die Spielzeugwaffe umtauschen und sein Geld wiederbekommen. Doch Susan teilt ihm mit, daß die Waren im Spielzeugladen vom Umtausch ausgeschlossen sind. Obwohl er eine Abneigung gegenüber Waffen hat, schafft es Dick nicht die Waffe wegzuschmeißen. Er trägt sie stattdessen mit sich herum und fühlt sich wohl dabei. Eines Tages fällt sie ihm bei der Arbeit aus der Tasche, was sein Arbeitskollege Stevie bemerkt und Dick darüber aufklärt, daß die Spielzeugwaffe in Wahrheit eine funktionstüchtige, echte Waffe ist.
Der Waffenkenner Stevie lädt daraufhin Dick ein, mit ihm zusammen in einem stillgelegten Teil der Mine das Schießen zu üben. Dick willigt aus Interesse ein und ist wie elektrisiert. Stevie fordert ihn auf, seiner Waffe einen Namen zu geben. Da es sich eher um eine Damenwaffe handelt, nennt Dick sie "Wendy". Dick und Stevie schießen nun regelmässig und beschäftigen sich intensiv, fast schon akademisch, mit Schußwaffen und ihrer Wirkungsweise. Obwohl Dick und Stevie ihre Waffen nur Nachts tief unter der Erde in einem Minenschacht ziehen, tragen sie sie auch tagsüber immer mit sich herum, wodurch beide deutlich an Selbstbewußtsein gewinnen.
Das Tragen der Waffen, die quasi religiöse Beziehung die sie zu ihnen aufbauen, ermöglicht es Dick und Stevie ihr Dasein als typische Verlierer hinter sich zu lassen. Das ermutigt Dick zu der Entscheidung, auch noch weitere Verlierertypen aus der Stadt hinzuzuziehen und mit ihnen einen Club aufzumachen, den Dick die "Dandies" nennt. Neben ihm und Stevie treten diesem Club auch die schüchterne Susan, der gehbehinderte Huey (Chirs Owen) sowie dessen kleiner Bruder Freddie (Michael Angarano) bei. Huey läuft auf Prothesen, da er keine Beine hat; Freddie wird wegen der Behinderung seines Bruders regelmässig verprügelt und Susan leidet darunter nur kleine Brüste zu haben.
Nach anfänglicher Skepsis fühlen sich auch die neuen Mitglieder im Club wohl, gewinnen ebenfalls deutlich an Selbstbewußtsein. Dick wird zum Präsidenten der "Dandies" ernannt, er legt eine Reihe von Regeln fest, die wichtigste lautet, daß es bei der ganzen Sache um Pazifismus geht: Es wird zwar ein Fetischkult um die Waffen zelebriert (die nicht nur alle eigene Namen tragen, sondern teilweise auch wie Personen behandelt werden), die oberste Regel besagt jedoch, daß diese niemals gegen Personen eingesetzt werden dürfen und niemals außerhalb des neuen "Clubhauses" in der Mine gezogen werden dürfen. Gemeinsam studiert man gerichtsmedizinische Dokumentationen, diskutiert darüber welche Waffe welche Austrittswunde verursacht, welcher Waffentyp zu welcher Person paßt, etc. Auch kostümieren sich die "Dandies" wie Cowboys, spielen Rollenspiele.
Nachdem sein Vater verstorben ist und Haushälterin Clarabelle aus Altersgründen gekündigt hat, werden die "Dandies" zu Dicks Ersatzfamilie. Er ist glücklich und die Welt könnte für ihn nicht besser sein. Bis eines Tages Sheriff Krugsby (wie immer genial: Bill Pullman) an seine Tür klopft und ihn bittet, eine Art "Bewährungshelfer" für Sebastian zu spielen. Dieser hat Ärger am Hals und jemanden erschossen (der sonst ihn erschossen hätte, wie Sebastian betont). Sebastian sollte eine positive Bezugsperson im gleichen Alter benennen, die ihm als Vorbild dienen kann. Dem fiel dabei nur Dick ein und dieser kann dem Sheriff den Gefallen nicht abschlagen. Von nun an muß sich Sebastian einmal in der Woche bei Dick melden.
Dick beschließt aus Sebastian einen echten "Dandy" zu machen, er weiht ihn ein und stellt ihn der Gruppe vor. Für Sebastian sind die "Dandies" nur Spinner, er hält sie für völlig irre. Dennoch schafft er es sich in die Gruppe zu integrieren, wird von den Clubmitgliedern schnell bewundert. Nur Dick kommt mit der neuen Situation nicht klar, stellt Sebastian doch unbewußt Dicks Führungsposition in Frage, entspricht aber gleichzeitig mit seiner Rüpelhaftigkeit auch überhaupt nicht dem Ehrenkodex, den Dick sich für die Gruppe ausgedacht hat. Als Sebastian dann auch noch besser mit "Wendy" schießen kann, als Dick, scheint für letzteren eine Welt zusammenzubrechen. Dick fühlt sich von seiner Waffe "betrogen" und hängt sie an die Wand, führt stattdessen nun eine andere mit sich.
Während Dick an seiner romantischen Vorstellung von der Vereinbarkeit von Waffen mit Pazifismus festhält, sieht Sebastian die Sache nüchterner. Für ihn tragen die Menschen Waffen, weil sie Angst haben, das gelte auch für die "Dandies". Um gegenüber Dick seinen Standpunkt klarzumachen erwähnt Sebastian seine Großmutter Clarabelle. Diese sei inzwischen an Alzheimer erkrankt und habe so eine panische Angst vor jedem und allem, daß sie sich nicht mal mehr aus dem Haus traue. Selbst den jährlichen Geburtstags-Besuch zur Cousine, die nur eine Straße weiter wohnt, könne sie nicht mehr absolvieren.
Daraufhin setzt sich Dick in den Kopf, zu beweisen, daß es nicht nur um Angst geht. Er will mit seiner Truppe Clarabelle beim zwei minütigen Fußweg zu deren Cousine eskortieren, ihr die Angst nehmen, und somit Sebastian widerlegen (die Logik ist etwas verquer, aber sei's drum). Während Sebastian und Dick nicht von Clarabelles Seite weichen, postieren sich die anderen "Dandies" an verschiedenen Plätzen auf dem Weg zur Wohnung der Cousine. Doch als Clarabelle stürzt, eilt ein Deputy herbei, um ihr zusammen mit Sebastian und Dick aufzuhelfen. Dabei kommt es zu einer kleinen Rangelei, die paranoide und verwirrte Clarabelle fühlt sich bedroht und zieht aus ihrer Tasche eine (kurze) Schrotflinte. Es kommt zum Desaster, Clarabelle drückt ab, der Deputy ist sofort tot.
Sheriff Krugsby eilt herbei, die "Dandies" betonen, daß es nur ein Unfall war und flüchten mit Clarabelle in ihr Versteck in der Mine. Krugsby übermittelt ihnen das Angebot, daß sie ihre Waffen behalten dürften, solange sie nur Clarabelle ausliefern würden. Diese solle dann in eine Klinik kommen. Dick und seine Freunde willigen ein, doch bei der Übergabe stellen sie fest, daß der Sheriff eine Automatik trägt. Aus ihrer intensiven Beschäftigung mit Waffen und ihren Trägern wissen sie: Jemandem mit diesem Waffentyp kann man nicht trauen. Sie ziehen sich erneut in die Mine zurück und aus dem Aufgebot an Deputies die der Sheriff im Hinterhalt hatte, läßt sich schlußfolgern, daß ihre Annahme, das Ganze wäre eine Falle gewesen, nicht unbegründbar war.
Der Sheriff und seine Männer durchsuchen das "Clubhaus" in der Mine, können jedoch die "Dandies" und Clarabelle nicht finden, die sich in einem geheimen Raum verstecken. Da die "Dandies" ihre Waffen nicht abgeben wollen und auch nicht ewig im Versteck bleiben können, macht Dick den Vorschlag, die "Mission" zu ende zu führen. Also Clarabelle und ihren Kaffee (das alljährliche Geschenk) zur Cousine zu eskortieren. Es kommt zum Showdown mit den Polizeikräften, bei dem die "Dandies" zwar auch einige Deputies ausschalten können, letztlich aber natürlich der Übermacht erliegen.
Die beiden letzten Überlebenden sind Dick und Sebastian. Dick schafft es Clarabell bis in die Wohnung der Cousine zu bringen, droht aber nun von einem Scharfschützen von der gegenüberliegenden Seite erschossen zu werden. Sebastian hat die letzten Seite des "Tagebuchs" (oder "Abschiedsbriefs") gelesen, die Dick an seine "Wendy" geschrieben hat. Darin äußert er den Wunsch, wenn schon, dann durch eine Kugel aus "Wendy" selbst zu tode zu kommen. Nun sieht Sebastian "Wendy" auf dem Boden liegen (sie wurde zuvor von der Polizei in der Mine konfisziert, wie sie auf die Straße kam, wird nicht aufgelöst). Unter Beschuß sammelt Sebastian die Waffe ein, stürmt in die Wohnung der Cousine und schießt Dick in den Rücken. Anhand der Austrittswunde an seiner Brust kann Dick erkennen, daß er durch eine Kugel aus "Wendys" Lauf erschossen wurde und stirbt glücklich. In dem Moment eröffnet die Polizei erneut das Feuer und schießt die Wohnung samt Personen in Stücke.
Thomas Vinterberg und Lars von Trier ist es mit "Dear Wendy" ein unkonventioneller Film über den Waffenfetischismus in den USA gelungen, der statt auf Betroffenheit lieber auf Humor setzt, dabei aber zeitgleich auch die nötige Ernsthaftigkeit mitbringt. Statt fanatischer Waffenliebhaber bekommt der Zuschauer ein paar unsichere Teenager zu sehen, die allein durch das Tragen der Waffen zu Stärke und Selbstbewußtsein finden, ohne dabei gleich die Tendenz zu entwickeln, ihren Mitmenschen nach dem Leben zu trachten oder den Finger allzu locker am Abzug zu haben.
Das Bedürfnis nach Werten, nach Halt, nach einer Orientierung in einer völlig verwahrlosten Umgebung führt dazu, daß sich die Clique von Heranwachsenden eine eigene Welt schafft, in die sie einen romantisch anmutenden "Ehrenkodex" aus der Vergangenheit importiert. Der verschrobene, offenbar beziehungsunfähige Pazifist und Freidenker Dick baut ausgerechnet zu einer Schußwaffe eine "Liebesbeziehung" auf und verfolgt seine Idee eines "Dandy"-Clubs mit einer Ernsthaftigkeit, die seine Mitstreiter zwar nicht in gleicher Intensität teilen, ihm aber trotdem folgen und sich ebenso von den selbst entwickelten Ritualen mitreißen lassen.
"Dear Wendy" ist dabei auch ein Gegenentwurf zum klassischen Stereotyp des gehänselten und ausgegrenzten High School Außenseiters, der eines Tages durchdreht, zum Amokläufer wird und danach strebt möglichst viele Mitschüler und Lehrer niederzumetzeln. Dennoch kommt es natürlich auch in "Dear Wendy" zur Eskalation, die erdachte Scheinwelt in der die "Dandies" leben prallt mit unverminderter Härte auf die Realität und mündet in dem Versuch der Teenager sich ihren Weg freizuschießen, ihre "ehrenvolle Mission" zu ende zu führen und dabei lieber zu sterben als ihre innig geliebten Waffen abzugeben.
ARTE zeigte "Dear Wendy" bereits am 03.10., es gibt noch zwei Wiederholungen am 05.10. und 18.10., leider jeweils erst um 3 Uhr nachts, aber wozu hat der Mensch Videorekorder. Es ist in jedem Fall ein wirklich lohnenswerter Film, der von kleineren logischen Unstimmigkeiten abgesehen sowohl von der Handlung her, aber eben besonders auch durch die schauspielerische Leistung, überzeugt.
Der Film spielt im us-amerikanischen Estherslope, einem fiktiven, im Niedergang begriffenen Provinznest in dem man entweder im Bergwerk arbeitet oder nicht viel zu tun hat. Dick (Jamie Bell), ein eher schmächtig wirkender Jugendlicher, hat überhaupt keine Lust dem Wunsch seines Vaters Folge zu leisten und wie dieser im Bergwerk zu arbeiten. Stattdessen hilft er zusammen mit dem gleichaltrigen Stevie (Mark Webber) lieber im örtlichen Supermarkt aus.
Für Sebastian (Danso Gordon), den Enkel der für Dicks Vater tätigen schwarzen Haushälterin Clarabelle (Novella Nelson), soll er ein Geburtstagsgeschenk besorgen und geht dazu in den örtlichen Spielzeugladen, in dem die introvertierte Susan (Alison Pill) für ihre Mutter arbeitet.
Da Dick Sebastian nicht leiden kann, ersteht er eine aus seiner Sicht häßliche Spielzeugpistole. Als er jedoch von Clarabelle erfährt, daß Sebastian generell sehr auf Waffen abfährt, sucht er sich lieber ein alternatives Geschenk (eine Ausgabe von Oscar Wildes berühmten Werk "Das Bildnis des Dorian Gray" bei der die letzten 20 Seiten fehlen). Einmal, da er wie beschrieben für Sebastian ein Geschenk will, das diesen nach Möglichkeit enttäuschen soll, zum anderen, da er sich selbst als Pazifist versteht und den gewaltaffinen Sebastian nicht mit einer Waffe auf dumme Ideen bringen möchte.
Da er nun ein neues Geschenk hat, möchte er die Spielzeugwaffe umtauschen und sein Geld wiederbekommen. Doch Susan teilt ihm mit, daß die Waren im Spielzeugladen vom Umtausch ausgeschlossen sind. Obwohl er eine Abneigung gegenüber Waffen hat, schafft es Dick nicht die Waffe wegzuschmeißen. Er trägt sie stattdessen mit sich herum und fühlt sich wohl dabei. Eines Tages fällt sie ihm bei der Arbeit aus der Tasche, was sein Arbeitskollege Stevie bemerkt und Dick darüber aufklärt, daß die Spielzeugwaffe in Wahrheit eine funktionstüchtige, echte Waffe ist.
Der Waffenkenner Stevie lädt daraufhin Dick ein, mit ihm zusammen in einem stillgelegten Teil der Mine das Schießen zu üben. Dick willigt aus Interesse ein und ist wie elektrisiert. Stevie fordert ihn auf, seiner Waffe einen Namen zu geben. Da es sich eher um eine Damenwaffe handelt, nennt Dick sie "Wendy". Dick und Stevie schießen nun regelmässig und beschäftigen sich intensiv, fast schon akademisch, mit Schußwaffen und ihrer Wirkungsweise. Obwohl Dick und Stevie ihre Waffen nur Nachts tief unter der Erde in einem Minenschacht ziehen, tragen sie sie auch tagsüber immer mit sich herum, wodurch beide deutlich an Selbstbewußtsein gewinnen.
Das Tragen der Waffen, die quasi religiöse Beziehung die sie zu ihnen aufbauen, ermöglicht es Dick und Stevie ihr Dasein als typische Verlierer hinter sich zu lassen. Das ermutigt Dick zu der Entscheidung, auch noch weitere Verlierertypen aus der Stadt hinzuzuziehen und mit ihnen einen Club aufzumachen, den Dick die "Dandies" nennt. Neben ihm und Stevie treten diesem Club auch die schüchterne Susan, der gehbehinderte Huey (Chirs Owen) sowie dessen kleiner Bruder Freddie (Michael Angarano) bei. Huey läuft auf Prothesen, da er keine Beine hat; Freddie wird wegen der Behinderung seines Bruders regelmässig verprügelt und Susan leidet darunter nur kleine Brüste zu haben.
Nach anfänglicher Skepsis fühlen sich auch die neuen Mitglieder im Club wohl, gewinnen ebenfalls deutlich an Selbstbewußtsein. Dick wird zum Präsidenten der "Dandies" ernannt, er legt eine Reihe von Regeln fest, die wichtigste lautet, daß es bei der ganzen Sache um Pazifismus geht: Es wird zwar ein Fetischkult um die Waffen zelebriert (die nicht nur alle eigene Namen tragen, sondern teilweise auch wie Personen behandelt werden), die oberste Regel besagt jedoch, daß diese niemals gegen Personen eingesetzt werden dürfen und niemals außerhalb des neuen "Clubhauses" in der Mine gezogen werden dürfen. Gemeinsam studiert man gerichtsmedizinische Dokumentationen, diskutiert darüber welche Waffe welche Austrittswunde verursacht, welcher Waffentyp zu welcher Person paßt, etc. Auch kostümieren sich die "Dandies" wie Cowboys, spielen Rollenspiele.
Nachdem sein Vater verstorben ist und Haushälterin Clarabelle aus Altersgründen gekündigt hat, werden die "Dandies" zu Dicks Ersatzfamilie. Er ist glücklich und die Welt könnte für ihn nicht besser sein. Bis eines Tages Sheriff Krugsby (wie immer genial: Bill Pullman) an seine Tür klopft und ihn bittet, eine Art "Bewährungshelfer" für Sebastian zu spielen. Dieser hat Ärger am Hals und jemanden erschossen (der sonst ihn erschossen hätte, wie Sebastian betont). Sebastian sollte eine positive Bezugsperson im gleichen Alter benennen, die ihm als Vorbild dienen kann. Dem fiel dabei nur Dick ein und dieser kann dem Sheriff den Gefallen nicht abschlagen. Von nun an muß sich Sebastian einmal in der Woche bei Dick melden.
Dick beschließt aus Sebastian einen echten "Dandy" zu machen, er weiht ihn ein und stellt ihn der Gruppe vor. Für Sebastian sind die "Dandies" nur Spinner, er hält sie für völlig irre. Dennoch schafft er es sich in die Gruppe zu integrieren, wird von den Clubmitgliedern schnell bewundert. Nur Dick kommt mit der neuen Situation nicht klar, stellt Sebastian doch unbewußt Dicks Führungsposition in Frage, entspricht aber gleichzeitig mit seiner Rüpelhaftigkeit auch überhaupt nicht dem Ehrenkodex, den Dick sich für die Gruppe ausgedacht hat. Als Sebastian dann auch noch besser mit "Wendy" schießen kann, als Dick, scheint für letzteren eine Welt zusammenzubrechen. Dick fühlt sich von seiner Waffe "betrogen" und hängt sie an die Wand, führt stattdessen nun eine andere mit sich.
Während Dick an seiner romantischen Vorstellung von der Vereinbarkeit von Waffen mit Pazifismus festhält, sieht Sebastian die Sache nüchterner. Für ihn tragen die Menschen Waffen, weil sie Angst haben, das gelte auch für die "Dandies". Um gegenüber Dick seinen Standpunkt klarzumachen erwähnt Sebastian seine Großmutter Clarabelle. Diese sei inzwischen an Alzheimer erkrankt und habe so eine panische Angst vor jedem und allem, daß sie sich nicht mal mehr aus dem Haus traue. Selbst den jährlichen Geburtstags-Besuch zur Cousine, die nur eine Straße weiter wohnt, könne sie nicht mehr absolvieren.
Daraufhin setzt sich Dick in den Kopf, zu beweisen, daß es nicht nur um Angst geht. Er will mit seiner Truppe Clarabelle beim zwei minütigen Fußweg zu deren Cousine eskortieren, ihr die Angst nehmen, und somit Sebastian widerlegen (die Logik ist etwas verquer, aber sei's drum). Während Sebastian und Dick nicht von Clarabelles Seite weichen, postieren sich die anderen "Dandies" an verschiedenen Plätzen auf dem Weg zur Wohnung der Cousine. Doch als Clarabelle stürzt, eilt ein Deputy herbei, um ihr zusammen mit Sebastian und Dick aufzuhelfen. Dabei kommt es zu einer kleinen Rangelei, die paranoide und verwirrte Clarabelle fühlt sich bedroht und zieht aus ihrer Tasche eine (kurze) Schrotflinte. Es kommt zum Desaster, Clarabelle drückt ab, der Deputy ist sofort tot.
Sheriff Krugsby eilt herbei, die "Dandies" betonen, daß es nur ein Unfall war und flüchten mit Clarabelle in ihr Versteck in der Mine. Krugsby übermittelt ihnen das Angebot, daß sie ihre Waffen behalten dürften, solange sie nur Clarabelle ausliefern würden. Diese solle dann in eine Klinik kommen. Dick und seine Freunde willigen ein, doch bei der Übergabe stellen sie fest, daß der Sheriff eine Automatik trägt. Aus ihrer intensiven Beschäftigung mit Waffen und ihren Trägern wissen sie: Jemandem mit diesem Waffentyp kann man nicht trauen. Sie ziehen sich erneut in die Mine zurück und aus dem Aufgebot an Deputies die der Sheriff im Hinterhalt hatte, läßt sich schlußfolgern, daß ihre Annahme, das Ganze wäre eine Falle gewesen, nicht unbegründbar war.
Der Sheriff und seine Männer durchsuchen das "Clubhaus" in der Mine, können jedoch die "Dandies" und Clarabelle nicht finden, die sich in einem geheimen Raum verstecken. Da die "Dandies" ihre Waffen nicht abgeben wollen und auch nicht ewig im Versteck bleiben können, macht Dick den Vorschlag, die "Mission" zu ende zu führen. Also Clarabelle und ihren Kaffee (das alljährliche Geschenk) zur Cousine zu eskortieren. Es kommt zum Showdown mit den Polizeikräften, bei dem die "Dandies" zwar auch einige Deputies ausschalten können, letztlich aber natürlich der Übermacht erliegen.
Die beiden letzten Überlebenden sind Dick und Sebastian. Dick schafft es Clarabell bis in die Wohnung der Cousine zu bringen, droht aber nun von einem Scharfschützen von der gegenüberliegenden Seite erschossen zu werden. Sebastian hat die letzten Seite des "Tagebuchs" (oder "Abschiedsbriefs") gelesen, die Dick an seine "Wendy" geschrieben hat. Darin äußert er den Wunsch, wenn schon, dann durch eine Kugel aus "Wendy" selbst zu tode zu kommen. Nun sieht Sebastian "Wendy" auf dem Boden liegen (sie wurde zuvor von der Polizei in der Mine konfisziert, wie sie auf die Straße kam, wird nicht aufgelöst). Unter Beschuß sammelt Sebastian die Waffe ein, stürmt in die Wohnung der Cousine und schießt Dick in den Rücken. Anhand der Austrittswunde an seiner Brust kann Dick erkennen, daß er durch eine Kugel aus "Wendys" Lauf erschossen wurde und stirbt glücklich. In dem Moment eröffnet die Polizei erneut das Feuer und schießt die Wohnung samt Personen in Stücke.
Thomas Vinterberg und Lars von Trier ist es mit "Dear Wendy" ein unkonventioneller Film über den Waffenfetischismus in den USA gelungen, der statt auf Betroffenheit lieber auf Humor setzt, dabei aber zeitgleich auch die nötige Ernsthaftigkeit mitbringt. Statt fanatischer Waffenliebhaber bekommt der Zuschauer ein paar unsichere Teenager zu sehen, die allein durch das Tragen der Waffen zu Stärke und Selbstbewußtsein finden, ohne dabei gleich die Tendenz zu entwickeln, ihren Mitmenschen nach dem Leben zu trachten oder den Finger allzu locker am Abzug zu haben.
Das Bedürfnis nach Werten, nach Halt, nach einer Orientierung in einer völlig verwahrlosten Umgebung führt dazu, daß sich die Clique von Heranwachsenden eine eigene Welt schafft, in die sie einen romantisch anmutenden "Ehrenkodex" aus der Vergangenheit importiert. Der verschrobene, offenbar beziehungsunfähige Pazifist und Freidenker Dick baut ausgerechnet zu einer Schußwaffe eine "Liebesbeziehung" auf und verfolgt seine Idee eines "Dandy"-Clubs mit einer Ernsthaftigkeit, die seine Mitstreiter zwar nicht in gleicher Intensität teilen, ihm aber trotdem folgen und sich ebenso von den selbst entwickelten Ritualen mitreißen lassen.
"Dear Wendy" ist dabei auch ein Gegenentwurf zum klassischen Stereotyp des gehänselten und ausgegrenzten High School Außenseiters, der eines Tages durchdreht, zum Amokläufer wird und danach strebt möglichst viele Mitschüler und Lehrer niederzumetzeln. Dennoch kommt es natürlich auch in "Dear Wendy" zur Eskalation, die erdachte Scheinwelt in der die "Dandies" leben prallt mit unverminderter Härte auf die Realität und mündet in dem Versuch der Teenager sich ihren Weg freizuschießen, ihre "ehrenvolle Mission" zu ende zu führen und dabei lieber zu sterben als ihre innig geliebten Waffen abzugeben.
ARTE zeigte "Dear Wendy" bereits am 03.10., es gibt noch zwei Wiederholungen am 05.10. und 18.10., leider jeweils erst um 3 Uhr nachts, aber wozu hat der Mensch Videorekorder. Es ist in jedem Fall ein wirklich lohnenswerter Film, der von kleineren logischen Unstimmigkeiten abgesehen sowohl von der Handlung her, aber eben besonders auch durch die schauspielerische Leistung, überzeugt.
Freitag, September 28, 2007
Full Metal Village -- Blasmusik trifft Heavy Metal
"Das Wacken Open Air (W:O:A) ist das größte Metal-Festival der Welt. Es findet jährlich am ersten Augustwochenende in Wacken in Schleswig-Holstein statt. Im Jahr 2007 hatte das Festival offiziell 60.000 zahlende Besucher, insgesamt waren über 72.000 Teilnehmer auf dem Open-Air." (Wikipedia)
Wacken liegt im norddeutschen Niemandsland, das Open Air ist alljährlich das mit Abstand größte Ereignis im Dorf. Doch wie gehen seine Bewohner mit den einfallenden Horden von Headbangern um? Wie stehen sie zu dem Festival?
Diesen Fragen ist die seit 1989 in Deutschland lebende, koreanische Regisseurin Cho Sung-hyung (alias Suzy Wong) nachgegangen. In ihrer Dokumentation "Full Metal Village" (2006) porträtiert sie verschiedene Dorfbewohner, ihre Einstellung zum Festival, sowie die Vorbereitungen auf den alljährlichen Ansturm.
Während Bauer Uwe Trede das Land zur Verfügung stellt, einer der Hauptorganisatoren ist und vorrechnet, wie viel Geld in der Sache steckt ("Menschen sind besser zu melken als Kühe"), ist die streng gläubige Malena Schaack alles andere als begeistert, da sie die Metal-Fans alle für Satanisten hält. Ganz anders sieht das freilich ihre Enkelin Ann-Kathrin Schaack, die die Abwechslung und den Freigeist der auf dem Festival herrscht sehr schätzt.
Insgesamt ist die Einstellung der lokalen Bevölkerung positiv. So ist es z.B. zur Tradition geworden, daß die Blaskapelle der örtlichen Feuerwehr zu Beginn des Festivals einen Auftritt hat. Die Metall-Fans headbangen dann zur klassisch deutschen Blasmusik genauso, wie sie es sonst zu ihrer Musik auch tun.
Ganze Rentner-Schwadrone werden als Ordner und Organisatoren eingesetzt, jeder hilft mit. Der EDEKA-Markt im Ort stückt sein Angebot an alkoholischen Getränken massiv auf, während die Schlange bis weit auf die Straße reicht. In der vermutlich witzigsten Szene im ganzen Film grüßt ein Rentner die vorbeilaufenden Fans mit dem "Mano cornuto" (auch "Pommesgabel", "Metal Fork" oder "Teufelsgruß" genannt).
Auch ein Gründungsmitglied des Festivals kommt zu Wort, das inzwischen ausgestiegen ist. Gezeigt wird, wie klein man im Jahr 1990 angefangen hat. Denn das Open Air findet nicht nur in Wacken statt, die Idee es auf die Beine zu stellen, stammte ursprünglich auch von einheimischen Metal-Fans. Einige Gründungsmitglieder sind inzwischen ausgestiegen, andere spielen immer noch zentrale Rollen in der Organisation und bei den Einnahmen.
Die Dokumentation erhielt 2006 den Schleswig-Holstein Filmpreis und den Hessischen Filmpreis, 2007 folgten der Max Ophüls Preis und der Gilde-Filmpreis.
ARTE zeigt nun morgen (29.09.07) um 8:45 Uhr eine gekürzte Version der Dokumentation unter dem Titel "Blasmusik trifft Heavy Metal". Wer sie sich ansehen will, muß also früh aufstehen -- oder eben gleich die Nacht durchmachen. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Wacken liegt im norddeutschen Niemandsland, das Open Air ist alljährlich das mit Abstand größte Ereignis im Dorf. Doch wie gehen seine Bewohner mit den einfallenden Horden von Headbangern um? Wie stehen sie zu dem Festival?
Diesen Fragen ist die seit 1989 in Deutschland lebende, koreanische Regisseurin Cho Sung-hyung (alias Suzy Wong) nachgegangen. In ihrer Dokumentation "Full Metal Village" (2006) porträtiert sie verschiedene Dorfbewohner, ihre Einstellung zum Festival, sowie die Vorbereitungen auf den alljährlichen Ansturm.
Während Bauer Uwe Trede das Land zur Verfügung stellt, einer der Hauptorganisatoren ist und vorrechnet, wie viel Geld in der Sache steckt ("Menschen sind besser zu melken als Kühe"), ist die streng gläubige Malena Schaack alles andere als begeistert, da sie die Metal-Fans alle für Satanisten hält. Ganz anders sieht das freilich ihre Enkelin Ann-Kathrin Schaack, die die Abwechslung und den Freigeist der auf dem Festival herrscht sehr schätzt.
Insgesamt ist die Einstellung der lokalen Bevölkerung positiv. So ist es z.B. zur Tradition geworden, daß die Blaskapelle der örtlichen Feuerwehr zu Beginn des Festivals einen Auftritt hat. Die Metall-Fans headbangen dann zur klassisch deutschen Blasmusik genauso, wie sie es sonst zu ihrer Musik auch tun.
Ganze Rentner-Schwadrone werden als Ordner und Organisatoren eingesetzt, jeder hilft mit. Der EDEKA-Markt im Ort stückt sein Angebot an alkoholischen Getränken massiv auf, während die Schlange bis weit auf die Straße reicht. In der vermutlich witzigsten Szene im ganzen Film grüßt ein Rentner die vorbeilaufenden Fans mit dem "Mano cornuto" (auch "Pommesgabel", "Metal Fork" oder "Teufelsgruß" genannt).
Auch ein Gründungsmitglied des Festivals kommt zu Wort, das inzwischen ausgestiegen ist. Gezeigt wird, wie klein man im Jahr 1990 angefangen hat. Denn das Open Air findet nicht nur in Wacken statt, die Idee es auf die Beine zu stellen, stammte ursprünglich auch von einheimischen Metal-Fans. Einige Gründungsmitglieder sind inzwischen ausgestiegen, andere spielen immer noch zentrale Rollen in der Organisation und bei den Einnahmen.
Die Dokumentation erhielt 2006 den Schleswig-Holstein Filmpreis und den Hessischen Filmpreis, 2007 folgten der Max Ophüls Preis und der Gilde-Filmpreis.
ARTE zeigt nun morgen (29.09.07) um 8:45 Uhr eine gekürzte Version der Dokumentation unter dem Titel "Blasmusik trifft Heavy Metal". Wer sie sich ansehen will, muß also früh aufstehen -- oder eben gleich die Nacht durchmachen. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Dienstag, September 11, 2007
Im Gedenken an 9/11
Seit 2003 platziere ich jedes Jahr am 11.09. einen Thread in den MSN Groups (2003, 2004, 2005, 2006, 2007), der den Titel "Im Gedenken an 9/11" trägt. Das Ausgangspostings enthält nichts weiter als ein Bild von Salvador Allende. Zwar erkennt natürlich nicht jeder sein Gesicht, aber aus dem Namen der entsprechenden Jpeg-Datei geht hervor, wer die Person ist. Nicht ganz klar ist den meisten, was nun Allende mit "9/11" zu tun hat, denn die meisten assoziieren mit dem 11. September natürlich den Terroanschlag von 2001 und nicht den Putsch von 1973 in Chile (in den die USA verwickelt waren).
Ursprünglich entstanden ist diese "Tradition" heraus als Persiflage der pathos-triefenden 9/11-Gedenkpostings in den MSN Groups (mit protzigen, animierten Gifs, usw.). Zwar ist natürlich generell nichts gegen Trauer und Gedenken zu sagen, die Frage stellt sich aber dennoch: Warum wird jedes Jahr der Opfer vom 11.09.2001 gedacht, aber nicht der vom 11.09.1973 (bzw. der Folgeopfer in der Pinochet-Diktatur)?
Hier das Posting von 2004 aus meinem alten Nucleus-Blog:
Im Gedenken an den 11.09. ...
seit den anschlägen in new york 2001 wird weltweit alljährlich am 11.09. der opfer dieses terrors gedacht. bei all dem tamtam verliert man schnell aus den augen, daß sich am 11.09. auch noch ganz andere historische ereignisse jähren.
so wurde z.b. vor 31 jahren am 11.09.1973 der chilenische präsident salvador allende im zuge eines putsches ermodert. ihm folgte die diktatur pinochets, der bis zu ihrem ende etwa 3000 menschen zum opfer fielen. allende war demokratisch gewählt, stand jedoch als kommunist den interessen der us-regierung entgegen, so daß dann wohl auch die CIA in den sturz allendes mitverwickelt war. völlig unverblümt brachte das der spätere us-außenminister henry kissinger 1970 auf den punkt, als er im hinblick auf den bevorstehenden wahlsiegs allendes in chile sagte: "I don't see why we need to stand by and watch a country go communist because of the irresponsibility of its own people."
wenn also in einem land eine kommunistische regierung frei gewählt wird, dann zeugt das von der unverantwortlichkeit der bevölkerung in diesem land und die USA müssen dies nicht hinnehmen. so wurde die beteiligung am putsch legitimiert und die rechtsgerichtete diktatur unter pinochet gut geheißen, weil sie aus sicht der USA eine angenehmere alternative zu einer allzu linksgerichteten regierung war.
wenn sich die welt nun jährlich an die opfer von 2001 in new york erinnert, aber keiner an diesen blutigen putsch, was bedeutet das dann? daß ein us-bürger, der von islamistischen terroristen ermordert wurde, eher betrauert werden sollte, als ein chilenischer bürger der in einer diktatur umgekommen ist, die von den USA mitinstalliert wurde? oder liegt es daran, daß es von 1973 keine so medienwirksamen bilder gibt, wie von 2001? oder einfach daran, daß 2001 kürzer zurück liegt und immer noch aktuell ist, während die süd-amerika-politik der USA im kalten krieg keinen mehr interessiert?
"selektive geschichtswahrnehmung" bedeutet, man nimmt nur den teil der vergangenheit wahr, der ins eigene, aktuelle weltbild paßt. der unangenehme rest wird ausgeblendet, wenn er im pathosschweren und patriotismustrunkenden gedöns keinen platz mehr findet.
Zum Nachlesen:
- taz, 1998: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der erste 11. September
- Freitag, 2003: Zusehen, wie ein Land kommunistisch wird?
- Historische Übersicht über US-Militärinterventionen in Amerika
- Chile Documentation Project (CIA-Papiere zu Chile)
Ursprünglich entstanden ist diese "Tradition" heraus als Persiflage der pathos-triefenden 9/11-Gedenkpostings in den MSN Groups (mit protzigen, animierten Gifs, usw.). Zwar ist natürlich generell nichts gegen Trauer und Gedenken zu sagen, die Frage stellt sich aber dennoch: Warum wird jedes Jahr der Opfer vom 11.09.2001 gedacht, aber nicht der vom 11.09.1973 (bzw. der Folgeopfer in der Pinochet-Diktatur)?
Hier das Posting von 2004 aus meinem alten Nucleus-Blog:
Im Gedenken an den 11.09. ...
seit den anschlägen in new york 2001 wird weltweit alljährlich am 11.09. der opfer dieses terrors gedacht. bei all dem tamtam verliert man schnell aus den augen, daß sich am 11.09. auch noch ganz andere historische ereignisse jähren.
so wurde z.b. vor 31 jahren am 11.09.1973 der chilenische präsident salvador allende im zuge eines putsches ermodert. ihm folgte die diktatur pinochets, der bis zu ihrem ende etwa 3000 menschen zum opfer fielen. allende war demokratisch gewählt, stand jedoch als kommunist den interessen der us-regierung entgegen, so daß dann wohl auch die CIA in den sturz allendes mitverwickelt war. völlig unverblümt brachte das der spätere us-außenminister henry kissinger 1970 auf den punkt, als er im hinblick auf den bevorstehenden wahlsiegs allendes in chile sagte: "I don't see why we need to stand by and watch a country go communist because of the irresponsibility of its own people."
wenn also in einem land eine kommunistische regierung frei gewählt wird, dann zeugt das von der unverantwortlichkeit der bevölkerung in diesem land und die USA müssen dies nicht hinnehmen. so wurde die beteiligung am putsch legitimiert und die rechtsgerichtete diktatur unter pinochet gut geheißen, weil sie aus sicht der USA eine angenehmere alternative zu einer allzu linksgerichteten regierung war.
wenn sich die welt nun jährlich an die opfer von 2001 in new york erinnert, aber keiner an diesen blutigen putsch, was bedeutet das dann? daß ein us-bürger, der von islamistischen terroristen ermordert wurde, eher betrauert werden sollte, als ein chilenischer bürger der in einer diktatur umgekommen ist, die von den USA mitinstalliert wurde? oder liegt es daran, daß es von 1973 keine so medienwirksamen bilder gibt, wie von 2001? oder einfach daran, daß 2001 kürzer zurück liegt und immer noch aktuell ist, während die süd-amerika-politik der USA im kalten krieg keinen mehr interessiert?
"selektive geschichtswahrnehmung" bedeutet, man nimmt nur den teil der vergangenheit wahr, der ins eigene, aktuelle weltbild paßt. der unangenehme rest wird ausgeblendet, wenn er im pathosschweren und patriotismustrunkenden gedöns keinen platz mehr findet.
Zum Nachlesen:
- taz, 1998: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der erste 11. September
- Freitag, 2003: Zusehen, wie ein Land kommunistisch wird?
- Historische Übersicht über US-Militärinterventionen in Amerika
- Chile Documentation Project (CIA-Papiere zu Chile)
Dienstag, August 21, 2007
Stasi 2.0
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat in den zwei Jahren in denen er jetzt im Amt ist etwas vollbracht, was ihm vorher keineswegs jeder zugetraut hätte: Er hat sich mit seinen Plänen zum Ausbau der Bürgerüberwachung in der Netzgemeinde noch unbeliebter als sein Vorgänger Otto Schily (SPD) gemacht.
In Schilys Amtszeit fielen unter anderem immerhin die sog. "Otto-Kataloge", zwei während der "9/11-Nachwehen" verabschiedete Sicherheitspakete die bis heute stark umstritten sind, weiterhin ein skandalöser Referentenentwurf zur Nachbesserung der gesetzlichen Verankerung des "Großen Lauschangriffs" 2004 (der nach heutiger Einschätzung nur rein formal Zypries' Namen trug), die Einführung von Reisepässen mit biometrischen Merkmalen (2005); und auch die Dienstanweisung für verdeckte Onlinedurchsuchungen ging 2005 noch auf sein Konto (wurde später vom Bundesgerichtshof einkassiert). Nicht zufällig wurde Schily daher 2005 mit einem "Lifetime" Big Brother Award "geehrt".
Das zu toppen erschien selbst für einen Wolfgang Schäuble nur recht schwer machbar. Dank dem Festhalten an den Plänen zur Einführung von verdeckten Onlinedurchsuchungen (siehe "Bundestrojaner"), selbst gegen Widerstände in der Großen Koalition, und natürlich wegen der geplanten Einführung der sog. Vorratsdatenspeicherung, steht Schäuble aber nun kurz davor mit Schily in einem Atemzug genannt zu werden, wenn es um den Ausbau Deutschlands zu einem Überwachungs- bzw. Präventionsstaat geht (ich konzentriere mich hier auf die Pläne, die zur einer Aushöhlung des Datenschutzes und der Privatsphäre führen, es kommen andere Punkte, die auch unter Sicherheitspolitik fallen, hinzu).
Besonders die geplante Vorratsdatenspeicherung sorgt im politisch engagierten Teil der Internetgemeinde zur Zeit für viel Unmut. Vorratsdatenspeicherung "bezeichnete ursprünglich die Speicherung von personenbezogenen Daten für eine spätere Verarbeitung, wobei der Verarbeitungszweck zum Zeitpunkt der Speicherung noch nicht klar feststeht. (...) In der politischen Diskussion wird der Begriff Vorratsdatenspeicherung mittlerweile als Synonym für die Speicherung von Telekommunikationsdaten für Strafverfolgungszwecke verwendet: Telekommunikationsanbieter sollen verpflichtet werden, die für Abrechnungszwecke erhobenen Verkehrsdaten ihrer Kunden, Standortdaten und eindeutige Geräteidentifikationen für einen bestimmten Zeitraum zu speichern (Mindestspeicherfrist), damit Polizei und Nachrichtendienste darauf zugreifen können." (Wikipedia)
Es werden nach diesen Plänen also grundsätzlich alle Verbindungsdaten jedes Internet- und Telefon-Nutzers gespeichert, ein Verdachtsmoment muß nicht gegeben sein. Zu den Verbindungsdaten gehören Informationen darüber wer wann wo wie lange mit wem kommuniziert hat. Die Inhalte der Kommunikation werden nicht mitgeloggt (jedenfalls nicht automatisch). Noch nicht. In der Wikipedia heißt es:
Dabei gibt es durchaus alternative Methoden, wie z.B. das in den USA angewendete "Quick Freeze"-Verfahren. Zum Zwecke der Strafverfolgung können hier die entsprechenden Daten der Verdächtigen vorübergehend "eingefroren" werden, sie werden dann nicht wie sonst vorgesehen gelöscht. Mit einem richterlichen Beschluß können die Strafverfolgungsbehörden dann auf diese eingefrorenen Daten zugreifen. Anders als bei der Vorratsdatenspeicherung werden aber eben nicht kollektiv alle Daten von allen Telefon- bzw. Internetnutzern geloggt.
In Deutschland soll jetzt im Herbst trotzdem die Vorratsdatenspeicherung im Bundestag verabschiedet werden, so daß ab Januar 2008 alle Kommunikationsdaten für sechs Monate gespeichert bleiben.
Dagegen formiert sich zunehmend Widerstand, zentrale Anlaufstelle ist die Website des AK Vorratsdatenspeicherung, auf der man alle Argumente ausführlich nachlesen kann und wo zu Demonstrationen wie jetzt demnächst wieder für Ende September aufgerufen wird.
Zum Symbol der "Widerstandsbewegung" wurde ein Konterfei Schäubles mit der Bildunterschrift "Stasi 2.0", welches auf dataloo.de zurückgeht. In einem Interview mit dem Süddeutsche Magazin "Jetzt" erklären die beiden Macher des Blogs, Dirk und Mac, wie sich die inzwischen berühmte Schablone entwickelt hat.

Die umstrittene "Stasi 2.0"-Schablone von Dirk Adler (dataloo.de), Creative Commons Lizenz.
Danach tauchte auf der Bloggerkonferenz re:publica zum ersten Mal der Begriff "Stasi 2.0" auf (in Anspielung auf den Web 2.0-Hype), der anschließend die Runde machte. Passend dazu kam dann die Idee auf, ihn mit einem Bild Schäubles zu verknüpfen.
Unumstritten ist der Slogan "Stasi 2.0" allerdings nicht, viele Gegner der Vorratsdatenspeicherung distanzieren sich von ihm, da sie den Vergleich mit der Stasi bei allem Unverständnis für Schäubles Politik für verfehlt halten (auf der Website des "AK Vorratsdatenspeicherung" findet er sich zum Beispiel nicht). Andere Gegner halten ihn dagegen für legitim, da er ja absichtlich provokativ gemeint ist und aufrütteln soll. Inzwischen können Unterstützer das Logo sogar als T-Shirt erwerben.
Natürlich ist es mit Aufrufen zu Demos und T-Shirts nicht getan. Auf der Website des "AK Vorratsdatenspeicherung" findet man auch eine Site mit Infos darüber, was man gegen die Einführung der Vorratsdatenspeicherung sonst noch tun kann. Zum Beispiele Briefe an Berufsverbände und Bundestagsabgeordnete versenden, Geld spenden, sich in den AK einbringen.
In einer weiteren Initiative geht es um eine "Sammelklage" bzw. eine Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht, falls die Vorratsdatenspeicherung wirklich beschlossen wird (wovon auszugehen ist). Im Internet findet sich sogar ein Motivations-Video, das zeigen soll, wie einfach es ist, sich der Beschwerde anzuschließen.
Inzwischen gibt es eine ganze Palette von Anti-Schäuble-Websites im Netz, die sich mit den Plänen des Innenministers nicht abfinden wollen. Auf Seiten wie schaeuble-wegtreten.de oder informiert-wolfgang.de wird Schäubles Rücktritt gefordert bzw. sarkastisch mit seiner Politik abgerechnet.
Über uberwach.de kann man die Zugriffe der Bundes- und Landesministerien, sowie von Regierungs- und Oppositionsparteien auf den eigenen Blogs bzw. die eigene Website überwachen lassen. Ganz nach dem Motto: Es wird "zurück-überwacht". Auf der Website freiheitsredner.de kann man "Freiheitsredner" anfragen, die dann zum Beispiel in Schulen über Sinn und Zweck von Datenschutz und Privatsphäre referieren.
Wie stark die Anti-Schäuble-Bewegung inzwischen ist, konnte man auch unlängst auf dem aktuellen Titel der bekannten Computerzeitschrift CHIP nachlesen. Aufmacher der Ausgabe ist der "Schäuble-Blocker". Wörtlich: "Denn mit unseren Tipps lassen Sie staatliche Datensammler einfach ins Leere laufen. CHIP zeigt, wie Sie 100% anonym surfen, mailen, telefonieren und tauschen – mit den Anti-Schnüffel-Tools von unserer Heft-DVD".
In Schilys Amtszeit fielen unter anderem immerhin die sog. "Otto-Kataloge", zwei während der "9/11-Nachwehen" verabschiedete Sicherheitspakete die bis heute stark umstritten sind, weiterhin ein skandalöser Referentenentwurf zur Nachbesserung der gesetzlichen Verankerung des "Großen Lauschangriffs" 2004 (der nach heutiger Einschätzung nur rein formal Zypries' Namen trug), die Einführung von Reisepässen mit biometrischen Merkmalen (2005); und auch die Dienstanweisung für verdeckte Onlinedurchsuchungen ging 2005 noch auf sein Konto (wurde später vom Bundesgerichtshof einkassiert). Nicht zufällig wurde Schily daher 2005 mit einem "Lifetime" Big Brother Award "geehrt".
Das zu toppen erschien selbst für einen Wolfgang Schäuble nur recht schwer machbar. Dank dem Festhalten an den Plänen zur Einführung von verdeckten Onlinedurchsuchungen (siehe "Bundestrojaner"), selbst gegen Widerstände in der Großen Koalition, und natürlich wegen der geplanten Einführung der sog. Vorratsdatenspeicherung, steht Schäuble aber nun kurz davor mit Schily in einem Atemzug genannt zu werden, wenn es um den Ausbau Deutschlands zu einem Überwachungs- bzw. Präventionsstaat geht (ich konzentriere mich hier auf die Pläne, die zur einer Aushöhlung des Datenschutzes und der Privatsphäre führen, es kommen andere Punkte, die auch unter Sicherheitspolitik fallen, hinzu).
Besonders die geplante Vorratsdatenspeicherung sorgt im politisch engagierten Teil der Internetgemeinde zur Zeit für viel Unmut. Vorratsdatenspeicherung "bezeichnete ursprünglich die Speicherung von personenbezogenen Daten für eine spätere Verarbeitung, wobei der Verarbeitungszweck zum Zeitpunkt der Speicherung noch nicht klar feststeht. (...) In der politischen Diskussion wird der Begriff Vorratsdatenspeicherung mittlerweile als Synonym für die Speicherung von Telekommunikationsdaten für Strafverfolgungszwecke verwendet: Telekommunikationsanbieter sollen verpflichtet werden, die für Abrechnungszwecke erhobenen Verkehrsdaten ihrer Kunden, Standortdaten und eindeutige Geräteidentifikationen für einen bestimmten Zeitraum zu speichern (Mindestspeicherfrist), damit Polizei und Nachrichtendienste darauf zugreifen können." (Wikipedia)
Es werden nach diesen Plänen also grundsätzlich alle Verbindungsdaten jedes Internet- und Telefon-Nutzers gespeichert, ein Verdachtsmoment muß nicht gegeben sein. Zu den Verbindungsdaten gehören Informationen darüber wer wann wo wie lange mit wem kommuniziert hat. Die Inhalte der Kommunikation werden nicht mitgeloggt (jedenfalls nicht automatisch). Noch nicht. In der Wikipedia heißt es:
"Datenschützer sowie linke und liberale Parteien protestierten und stellten den Sinn einer solchen Maßnahme zur Debatte, sie weise den Weg Richtung Überwachungsstaat: Wenn man sich nicht sicher sein könne, frei kommunizieren zu können, leide darunter die Zivilgesellschaft, und Bürger würden vor politischen Äußerungen im Internet zurückschrecken. Anonyme Seelsorge- und Beratungsdienste seien ebenso gefährdet, da weniger Menschen es wagen würden, diese Dienste zu nutzen.
(...) Juristisch wird argumentiert, eine Vorratsdatenspeicherung verstoße gegen die Grundrechte der Kommunizierenden und der Telekommunikationsunternehmen. In Deutschland liege ein Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, gegen die Meinungs-, Informations- und Rundfunkfreiheit, gegen die Berufsfreiheit und gegen das Gleichbehandlungsgebot vor. Auf europäischer Ebene sei ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention gegeben, und zwar gegen das Recht auf Achtung des Privatlebens und der Korrespondenz, gegen die Meinungsfreiheit und gegen das Recht auf Achtung des Eigentums.
Der Nutzen einer Vorratsdatenspeicherung sei gegenüber ihren schädlichen Folgen unverhältnismäßig gering. Eine verdachtsunabhängige Protokollierung des Telekommunikationsverhaltens der gesamten Bevölkerung sei exzessiv. Über 99% der von einer Vorratsdatenspeicherung Betroffenen seien unverdächtig und hätten keinen Anlass zu einer Protokollierung ihrer Kommunikation gegeben." (Wikipedia)
Dabei gibt es durchaus alternative Methoden, wie z.B. das in den USA angewendete "Quick Freeze"-Verfahren. Zum Zwecke der Strafverfolgung können hier die entsprechenden Daten der Verdächtigen vorübergehend "eingefroren" werden, sie werden dann nicht wie sonst vorgesehen gelöscht. Mit einem richterlichen Beschluß können die Strafverfolgungsbehörden dann auf diese eingefrorenen Daten zugreifen. Anders als bei der Vorratsdatenspeicherung werden aber eben nicht kollektiv alle Daten von allen Telefon- bzw. Internetnutzern geloggt.
In Deutschland soll jetzt im Herbst trotzdem die Vorratsdatenspeicherung im Bundestag verabschiedet werden, so daß ab Januar 2008 alle Kommunikationsdaten für sechs Monate gespeichert bleiben.
Dagegen formiert sich zunehmend Widerstand, zentrale Anlaufstelle ist die Website des AK Vorratsdatenspeicherung, auf der man alle Argumente ausführlich nachlesen kann und wo zu Demonstrationen wie jetzt demnächst wieder für Ende September aufgerufen wird.
Zum Symbol der "Widerstandsbewegung" wurde ein Konterfei Schäubles mit der Bildunterschrift "Stasi 2.0", welches auf dataloo.de zurückgeht. In einem Interview mit dem Süddeutsche Magazin "Jetzt" erklären die beiden Macher des Blogs, Dirk und Mac, wie sich die inzwischen berühmte Schablone entwickelt hat.
Die umstrittene "Stasi 2.0"-Schablone von Dirk Adler (dataloo.de), Creative Commons Lizenz.
Danach tauchte auf der Bloggerkonferenz re:publica zum ersten Mal der Begriff "Stasi 2.0" auf (in Anspielung auf den Web 2.0-Hype), der anschließend die Runde machte. Passend dazu kam dann die Idee auf, ihn mit einem Bild Schäubles zu verknüpfen.
Unumstritten ist der Slogan "Stasi 2.0" allerdings nicht, viele Gegner der Vorratsdatenspeicherung distanzieren sich von ihm, da sie den Vergleich mit der Stasi bei allem Unverständnis für Schäubles Politik für verfehlt halten (auf der Website des "AK Vorratsdatenspeicherung" findet er sich zum Beispiel nicht). Andere Gegner halten ihn dagegen für legitim, da er ja absichtlich provokativ gemeint ist und aufrütteln soll. Inzwischen können Unterstützer das Logo sogar als T-Shirt erwerben.
Natürlich ist es mit Aufrufen zu Demos und T-Shirts nicht getan. Auf der Website des "AK Vorratsdatenspeicherung" findet man auch eine Site mit Infos darüber, was man gegen die Einführung der Vorratsdatenspeicherung sonst noch tun kann. Zum Beispiele Briefe an Berufsverbände und Bundestagsabgeordnete versenden, Geld spenden, sich in den AK einbringen.
In einer weiteren Initiative geht es um eine "Sammelklage" bzw. eine Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht, falls die Vorratsdatenspeicherung wirklich beschlossen wird (wovon auszugehen ist). Im Internet findet sich sogar ein Motivations-Video, das zeigen soll, wie einfach es ist, sich der Beschwerde anzuschließen.
Inzwischen gibt es eine ganze Palette von Anti-Schäuble-Websites im Netz, die sich mit den Plänen des Innenministers nicht abfinden wollen. Auf Seiten wie schaeuble-wegtreten.de oder informiert-wolfgang.de wird Schäubles Rücktritt gefordert bzw. sarkastisch mit seiner Politik abgerechnet.
Über uberwach.de kann man die Zugriffe der Bundes- und Landesministerien, sowie von Regierungs- und Oppositionsparteien auf den eigenen Blogs bzw. die eigene Website überwachen lassen. Ganz nach dem Motto: Es wird "zurück-überwacht". Auf der Website freiheitsredner.de kann man "Freiheitsredner" anfragen, die dann zum Beispiel in Schulen über Sinn und Zweck von Datenschutz und Privatsphäre referieren.
Wie stark die Anti-Schäuble-Bewegung inzwischen ist, konnte man auch unlängst auf dem aktuellen Titel der bekannten Computerzeitschrift CHIP nachlesen. Aufmacher der Ausgabe ist der "Schäuble-Blocker". Wörtlich: "Denn mit unseren Tipps lassen Sie staatliche Datensammler einfach ins Leere laufen. CHIP zeigt, wie Sie 100% anonym surfen, mailen, telefonieren und tauschen – mit den Anti-Schnüffel-Tools von unserer Heft-DVD".
Dienstag, August 14, 2007
BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 8): Verfolgt, Deutschland, 2006
In "Verfolgt" (Orig.: Verfolgt) spielt Maren Kroymann die Bewährungshelferin Elsa Seifert, Anfang 50. Obwohl sie ihre Arbeit liebt und sehr erfolgreich ist, verspürt sie nach dem Auszug ihrer Tochter Daniela (Stephanie Charlotta Koetz) eine Leere in ihrem Alltag, die auch ihr Lebensgefährte Raimar (Markus Voellenklee) nicht füllen kann.
In dieser Phase trifft sie auf ihren neuen Klienten, den sechzehnjährigen Straftäter Jan Winkler (Kostja Ullmann), der ihr vorschlägt, mit ihm eine FemDom-Beziehung einzugehen, worauf Elsa sich auch einläßt. Nach und nach entdeckt sie ihre Vorliebe für sadomasochistische Rollenspiele und liebt es dominant zu sein. Doch je intensiver beide ihre Sehnsüchte ausleben, desto mehr gerät Elsas Leben aus den Fugen.
Von der Kritik wurde dieser neue Film von Angelina Maccarone hoch gelobt. 2006 erhielt er den Goldenen Leoparden, die Filmbewertungsstelle Wiesbaden zeichnete ihn zudem als "besonders wertvoll" aus.
"Regisseurin Angelina Maccarone spekuliert jedoch nicht auf den Tabubruch. Sie zeigt keine Bilder, die Voyeure bedienen könnten. Sie erzählt die Geschichte in schwarz-weiss, in ruhigen, konzentrierten Einstellungen, die sich auf die Darsteller stützen." (hr-online.de, 05.01.07)
Daß der Film noch nicht im deutschen Fernsehen zu sehen war, ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß er erst 2006 erschien. Ansonsten spricht nichts dagegen, die BDSM-Szenen sind keineswegs so explizit, daß sich eine Ausstrahlung verbieten würde. Anzunehmen ist daher, daß er demnächst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein wird, vermutlich auf ARTE.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
In dieser Phase trifft sie auf ihren neuen Klienten, den sechzehnjährigen Straftäter Jan Winkler (Kostja Ullmann), der ihr vorschlägt, mit ihm eine FemDom-Beziehung einzugehen, worauf Elsa sich auch einläßt. Nach und nach entdeckt sie ihre Vorliebe für sadomasochistische Rollenspiele und liebt es dominant zu sein. Doch je intensiver beide ihre Sehnsüchte ausleben, desto mehr gerät Elsas Leben aus den Fugen.
Von der Kritik wurde dieser neue Film von Angelina Maccarone hoch gelobt. 2006 erhielt er den Goldenen Leoparden, die Filmbewertungsstelle Wiesbaden zeichnete ihn zudem als "besonders wertvoll" aus.
"Regisseurin Angelina Maccarone spekuliert jedoch nicht auf den Tabubruch. Sie zeigt keine Bilder, die Voyeure bedienen könnten. Sie erzählt die Geschichte in schwarz-weiss, in ruhigen, konzentrierten Einstellungen, die sich auf die Darsteller stützen." (hr-online.de, 05.01.07)
Daß der Film noch nicht im deutschen Fernsehen zu sehen war, ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß er erst 2006 erschien. Ansonsten spricht nichts dagegen, die BDSM-Szenen sind keineswegs so explizit, daß sich eine Ausstrahlung verbieten würde. Anzunehmen ist daher, daß er demnächst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein wird, vermutlich auf ARTE.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 1): Tokio Dekadenz (1992)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin (2001)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 3): Im Reich der Sinne (1976)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary (2002)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 5): Meine Mutter (2004)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen (1986)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 7): Die Geschichte der O (1975)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 8): Verfolgt (2006)
Montag, August 13, 2007
BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 7): Die Geschichte der O, Frankreich, 1975
"Die Geschichte der O" (Orig.: Histoire d'O) aus dem Jahr 1975 ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dominique Aury aus dem Jahr 1954. Sowohl der Film als auch die Romanvorlage gelten heute als das "bahnbrechende" BDSM-Werk schlecht hin.
Die devote O (Corinne Clery) ist eine erfolgreiche Modefotografin in Paris. Sie trifft auf René (Udo Kier) und beginnt mit ihm eine MaleDom-Beziehung. René bringt sie auf das abgeschiedene Schloß Roissy auf welchem auch andere devote Frauen leben und ebenso wie nun auch O zu perfekten Subs ausgebildet werden.
"Während ihres Aufenthalts lernt O, eine gehorsame 'Sklavin' zu sein, dennoch bleibt sie stets selbstbewusst und ist sich ihrer Macht über die Männer in ihrer Umgebung im Klaren. Nichts geschieht, ohne dass sie zuvor nach ihrem Einverständnis gefragt wird." (Wikipedia) "Der Roman stellt die Frage nach dem Verhältnis von Liebe und Unterwerfung beziehungsweise der freiwilligen 'Aufgabe des eigenen Willens' (...) Alle Vorgänge werden ohne Erzählerkommentare aus der Perspektive der Heldin geschildert, deren Innenleben so auf subtile Weise geschildert wird, ohne dass ihr Verhalten moralisch bewertet oder auch nur anhand konventioneller Maßstäbe erklärt würde." (Wikipedia)
Nach erfolgreicher Beendigung ihrer "Ausbildung" zieht O auf Bitten Rénes vorübergehend zu dessen väterlichem Freund Sir Stephen (Anthony Steel), der noch dominanter ist und O zu einer noch besseren Sklavin "weiterbildet". O verliebt sich in Sir Stephen und läßt sich als letzten fundamentalen Liebesbeweis sein Zeichen einbrennen.
Abweichend vom Roman endet der Film damit, daß O Sir Stephen, nur mit einer Federmaske bekleidet, auf einen exklusiven Ball begleitet. Eine Szene, die Stanley Kubrick 1999 für "Eyes Wide Shut" 1:1 übernommen hat.
Stilprägend war auch der sogenannte "Ring der O", der heute in der BDSM-Szene als Erkennungszeichen gilt. Wird er an der linken Hand getragen, so bedeutet dies in der Regel, daß der Träger ein Dom ist, wird er an der rechten Hand getragen, ist der Träger ein Sub.
Unklar ist bis heute, für welchen Vornamen die Abkürzung "O" steht. "Es hieß, er sei eine Abkürzung für objet (Frz.: Objekt) oder orifice (Frz.: Öffnung) oder für Odile, den Vornamen einer guten Freundin der Autorin." (Wikipedia)
Aury veröffentlichte ihren Roman 1954 unter dem Pseudonym "Pauline Réage", erst 40 Jahre später (1994) gab sie in einem Interview öffentlich zu, die Autorin zu sein (was bis dato immer nur ein Gerücht gewesen war). Mehrfach wurde zuvor in Kritiken bestritten, daß der Autor des Buches weiblich sein könne, zu herabwürdigend sei die geschilderte MaleDom-Beziehung, als daß sie aus der Feder einer Frau stammen könne. Viel mehr sei der ganze Plot eine typische Männerphantasie.
Sowohl das Buch als auch die verschiedenen Film-Adaptionen sind teilweise bis heute indiziert. Trotzdem gibt es diverse weitere Verfilmungen, etwa "The Story of Joanna" (ebenfalls 1975), den Kurzfilm "Menthe – la bienheureuse" (1979) von Lars von Trier oder "Die Früchte der Leidenschaft" (1981) von Shuji Terayama mit Klaus Kinski als Sir Stephen.
Die hier besprochene Version von Just Jaeckin aus dem Jahr 1975 gilt aber bis heute als die wichtigste und bekannteste. Obwohl der Film diverse BDSM-Praktiken dokumentiert, gibt es keine detaillierte Darstellung von Geschlechtsverkehr und auch keine verbalen Obszönitäten, weshalb er schon mehrmals ungeschnitten im deutschen Fernsehen auf unterschiedlichen Sendern zu sehen war.
Der Film ist natürlich auch in diversen Varianten als DVD zu erhalten (siehe z.B. hier, hier oder hier). Der Roman ist dagegen bis heute in Deutschland indiziert, nichtsdestotrotz aber beim Charon-Verlag frei erhältlich.
"Die Geschichte der O" ist sicherlich ein Meilenstein in der cineastischen Darstellung der BDSM-Thematik und daher ein Muß für jeden, der sich für das Thema interessiert. Aber auch Zuschauer die mit BDSM sonst nicht viel am Hut haben, sollten diesen Klassiker des erotischen Kinos einmal gesehen haben.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
Die devote O (Corinne Clery) ist eine erfolgreiche Modefotografin in Paris. Sie trifft auf René (Udo Kier) und beginnt mit ihm eine MaleDom-Beziehung. René bringt sie auf das abgeschiedene Schloß Roissy auf welchem auch andere devote Frauen leben und ebenso wie nun auch O zu perfekten Subs ausgebildet werden.
"Während ihres Aufenthalts lernt O, eine gehorsame 'Sklavin' zu sein, dennoch bleibt sie stets selbstbewusst und ist sich ihrer Macht über die Männer in ihrer Umgebung im Klaren. Nichts geschieht, ohne dass sie zuvor nach ihrem Einverständnis gefragt wird." (Wikipedia) "Der Roman stellt die Frage nach dem Verhältnis von Liebe und Unterwerfung beziehungsweise der freiwilligen 'Aufgabe des eigenen Willens' (...) Alle Vorgänge werden ohne Erzählerkommentare aus der Perspektive der Heldin geschildert, deren Innenleben so auf subtile Weise geschildert wird, ohne dass ihr Verhalten moralisch bewertet oder auch nur anhand konventioneller Maßstäbe erklärt würde." (Wikipedia)
Nach erfolgreicher Beendigung ihrer "Ausbildung" zieht O auf Bitten Rénes vorübergehend zu dessen väterlichem Freund Sir Stephen (Anthony Steel), der noch dominanter ist und O zu einer noch besseren Sklavin "weiterbildet". O verliebt sich in Sir Stephen und läßt sich als letzten fundamentalen Liebesbeweis sein Zeichen einbrennen.
Abweichend vom Roman endet der Film damit, daß O Sir Stephen, nur mit einer Federmaske bekleidet, auf einen exklusiven Ball begleitet. Eine Szene, die Stanley Kubrick 1999 für "Eyes Wide Shut" 1:1 übernommen hat.
Stilprägend war auch der sogenannte "Ring der O", der heute in der BDSM-Szene als Erkennungszeichen gilt. Wird er an der linken Hand getragen, so bedeutet dies in der Regel, daß der Träger ein Dom ist, wird er an der rechten Hand getragen, ist der Träger ein Sub.
Unklar ist bis heute, für welchen Vornamen die Abkürzung "O" steht. "Es hieß, er sei eine Abkürzung für objet (Frz.: Objekt) oder orifice (Frz.: Öffnung) oder für Odile, den Vornamen einer guten Freundin der Autorin." (Wikipedia)
Aury veröffentlichte ihren Roman 1954 unter dem Pseudonym "Pauline Réage", erst 40 Jahre später (1994) gab sie in einem Interview öffentlich zu, die Autorin zu sein (was bis dato immer nur ein Gerücht gewesen war). Mehrfach wurde zuvor in Kritiken bestritten, daß der Autor des Buches weiblich sein könne, zu herabwürdigend sei die geschilderte MaleDom-Beziehung, als daß sie aus der Feder einer Frau stammen könne. Viel mehr sei der ganze Plot eine typische Männerphantasie.
Sowohl das Buch als auch die verschiedenen Film-Adaptionen sind teilweise bis heute indiziert. Trotzdem gibt es diverse weitere Verfilmungen, etwa "The Story of Joanna" (ebenfalls 1975), den Kurzfilm "Menthe – la bienheureuse" (1979) von Lars von Trier oder "Die Früchte der Leidenschaft" (1981) von Shuji Terayama mit Klaus Kinski als Sir Stephen.
Die hier besprochene Version von Just Jaeckin aus dem Jahr 1975 gilt aber bis heute als die wichtigste und bekannteste. Obwohl der Film diverse BDSM-Praktiken dokumentiert, gibt es keine detaillierte Darstellung von Geschlechtsverkehr und auch keine verbalen Obszönitäten, weshalb er schon mehrmals ungeschnitten im deutschen Fernsehen auf unterschiedlichen Sendern zu sehen war.
Der Film ist natürlich auch in diversen Varianten als DVD zu erhalten (siehe z.B. hier, hier oder hier). Der Roman ist dagegen bis heute in Deutschland indiziert, nichtsdestotrotz aber beim Charon-Verlag frei erhältlich.
"Die Geschichte der O" ist sicherlich ein Meilenstein in der cineastischen Darstellung der BDSM-Thematik und daher ein Muß für jeden, der sich für das Thema interessiert. Aber auch Zuschauer die mit BDSM sonst nicht viel am Hut haben, sollten diesen Klassiker des erotischen Kinos einmal gesehen haben.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 1): Tokio Dekadenz (1992)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin (2001)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 3): Im Reich der Sinne (1976)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary (2002)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 5): Meine Mutter (2004)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen (1986)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 7): Die Geschichte der O (1975)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 8): Verfolgt (2006)
Sonntag, August 12, 2007
BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen, USA, 1986
"9 1/2 Wochen" (Orig.: Nine 1/2 Weeks) von Adrian Lyne (nach einem Roman der unter dem Pseudonym Elizabeth McNeill veröffentlicht wurde) ist sicherlich der kommerziell erfolgreichste und bei weitem bekannteste Film mit BDSM-Elementen. Natürlich ist er bei weitem nicht der beste, hat aber das Thema BDSM einem großen Publikum zugänglich gemacht und galt bei seinem Erscheinen im Jahr 1986 als Skandalfilm (obwohl er verglichen mit anderen Streifen in dieser Reihe natürlich eher harmlos ist, was die explizite Darstellung von BDSM-Praktiken angeht).
Nachdem die Kunstgaleristin Elizabeth (Kim Basinger) eine gescheiterte Ehe hinter sich gebracht hat, ist sie nicht unbedingt erpicht auf die körperliche Nähe zu Männern. Gleichzeitig leidet sie aber offensichtlich an der Leere und der Einsamkeit, die sich aus einem beziehungslosen Leben ergeben. Dies ändert sich schlagartig, als der sehr erfolgreiche Börsenmakler John (Mickey Rourke) in ihr Leben tritt und beide eine Affäre miteinander beginnen.
Die Beziehung ist zunächst rein sexuell, beide reden verhältnismäßig wenig miteinander und steigern sich stattdessen in immer gewagtere sadomasochistische Spiele. Die selbstbewußte Elizabeth glaubt dabei zunächst alles im Griff zu haben, muß aber langsam feststellen, daß sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu John begeben hat. Dies wird umso schwieriger, als John anfängt bei den Spielen weiterzugehen, als es Elizabeth recht ist. In einer berühmten Szene in der Elizabeth mit verbundenen Augen Sex mit einer Prostituierten haben soll (während John zusieht), wird ihr das Ganze zu viel und sie verläßt nach 9 1/2 Wochen ihren Liebhaber.
Viele Szenen aus dem Film haben sich zu "eigenen Stilikonen" entwickelt. Am berühmtesten darunter sicherlich das "erotische Essen", wo die beiden mit Nahrung spielen. Die Szene wurde x-fach kopiert und parodiert (z.B. in "Hot Shots"). Berüchtigt ist auch Kim Basingers Abneigung gegenüber Mickey Rourke, die angeblich in dem Zitat gipfelte, ihn zu küssen sei so reizvoll wie einen Aschenbecher auszulecken. Angeblich soll Lyne die beiden Schauspieler mit Psychotricks bewußt so manipuliert haben, daß sie sich je nach zu spielender Szene tatsächlich mochten oder nicht mochten.
Während der Film ein kommerzieller Erfolg war, ist er unter Kritiken stark umstritten. Auf der einen Seite steht die Handlung, die nur rudimentär bis nicht vorhanden ist und dem Drehbuch die Nominierung für eine Goldene Himbeere, dem "Anti-Oscar", einbrachte. Auf der anderen Seite steht die lobenswerte, schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Die Figur des psychopathischen John scheint Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben und auch Kim Basinger versteht es die laszive Elizabeth überzeugend zu spielen.
11 Jahre später, 1997, erschien dann das Sequel mit dem Titel "9 1/2 Wochen in Paris" (Orig.: "Love in Paris"), wieder mit Mickey Rourke aber ohne Kim Basinger. Anders als der erste Teil wurde diese Fortsetzung allerdings ein totaler Flop.
Adrian Lynes "9 1/2 Wochen" ist hingegen zu einem echten Klassiker avanciert, den jeder Mal gesehen haben sollte, der sich für BDSM im Film interessiert. Auch im deutschen Fernsehen ist er immer mal wieder zu sehen.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
Nachdem die Kunstgaleristin Elizabeth (Kim Basinger) eine gescheiterte Ehe hinter sich gebracht hat, ist sie nicht unbedingt erpicht auf die körperliche Nähe zu Männern. Gleichzeitig leidet sie aber offensichtlich an der Leere und der Einsamkeit, die sich aus einem beziehungslosen Leben ergeben. Dies ändert sich schlagartig, als der sehr erfolgreiche Börsenmakler John (Mickey Rourke) in ihr Leben tritt und beide eine Affäre miteinander beginnen.
Die Beziehung ist zunächst rein sexuell, beide reden verhältnismäßig wenig miteinander und steigern sich stattdessen in immer gewagtere sadomasochistische Spiele. Die selbstbewußte Elizabeth glaubt dabei zunächst alles im Griff zu haben, muß aber langsam feststellen, daß sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu John begeben hat. Dies wird umso schwieriger, als John anfängt bei den Spielen weiterzugehen, als es Elizabeth recht ist. In einer berühmten Szene in der Elizabeth mit verbundenen Augen Sex mit einer Prostituierten haben soll (während John zusieht), wird ihr das Ganze zu viel und sie verläßt nach 9 1/2 Wochen ihren Liebhaber.
Viele Szenen aus dem Film haben sich zu "eigenen Stilikonen" entwickelt. Am berühmtesten darunter sicherlich das "erotische Essen", wo die beiden mit Nahrung spielen. Die Szene wurde x-fach kopiert und parodiert (z.B. in "Hot Shots"). Berüchtigt ist auch Kim Basingers Abneigung gegenüber Mickey Rourke, die angeblich in dem Zitat gipfelte, ihn zu küssen sei so reizvoll wie einen Aschenbecher auszulecken. Angeblich soll Lyne die beiden Schauspieler mit Psychotricks bewußt so manipuliert haben, daß sie sich je nach zu spielender Szene tatsächlich mochten oder nicht mochten.
Während der Film ein kommerzieller Erfolg war, ist er unter Kritiken stark umstritten. Auf der einen Seite steht die Handlung, die nur rudimentär bis nicht vorhanden ist und dem Drehbuch die Nominierung für eine Goldene Himbeere, dem "Anti-Oscar", einbrachte. Auf der anderen Seite steht die lobenswerte, schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Die Figur des psychopathischen John scheint Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben und auch Kim Basinger versteht es die laszive Elizabeth überzeugend zu spielen.
11 Jahre später, 1997, erschien dann das Sequel mit dem Titel "9 1/2 Wochen in Paris" (Orig.: "Love in Paris"), wieder mit Mickey Rourke aber ohne Kim Basinger. Anders als der erste Teil wurde diese Fortsetzung allerdings ein totaler Flop.
Adrian Lynes "9 1/2 Wochen" ist hingegen zu einem echten Klassiker avanciert, den jeder Mal gesehen haben sollte, der sich für BDSM im Film interessiert. Auch im deutschen Fernsehen ist er immer mal wieder zu sehen.
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 1): Tokio Dekadenz (1992)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin (2001)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 3): Im Reich der Sinne (1976)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary (2002)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 5): Meine Mutter (2004)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen (1986)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 7): Die Geschichte der O (1975)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 8): Verfolgt (2006)
Samstag, August 11, 2007
BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 5): Meine Mutter, Frankreich, 2004
In Christophe Honorés Verfilmung von Georges Batailles Skandalroman "Meine Mutter" (Orig.: Ma mère) geht es eigentlich um eine ödipale Inzest-Geschichte bei der BDSM nur als "Nebensache" auftaucht. Trotzdem werden sadomasochistische Praktiken an bestimmten Stellen stark fokussiert, weshalb man den Film durchaus in die BDSM-Reihe aufnehmen kann.
Die Hauptrolle in dem Drama spielt einmal mehr Isabelle Huppert (siehe auch "Die Klavierspielerin") als die verwitwete Mutter Hélène. Ihr gegenüber steht ihr 17jähriger Sohn Piere (Louis Garrel), der bisher bei seiner Großmutter gelebt hatte, nach dem Unfalltod seines ihm verhaßten, tyrannischen Vaters aber nun zu seiner Mutter in eine Ferienvilla nach Spanien zieht. Hélène führt dort ein sehr lasterhaftes, ausschweifendes Leben, in das auch Pierre hineingezogen wird.
Von Anfang an ist recht offensichtlich, daß das Verhältnis zwischen Pierre und Hélène keine normale Mutter-Sohn-Beziehung ist, er begehrt sie und sie begehrt ihn. Ein klassischer Ödipuskonflikt liegt hier eigentlich nicht mehr vor, da der Vater -- in der "ödipalen Logik" ja der Rivale des Sohnes -- bereits verstorben ist (ohne Zutun des Sohnes). Damit ist aber auch endlich eine Wiederannäherung zwischen Mutter und Sohn möglich, die dann allerdings im Inzest endet.
Die fast schon nymphoman wirkende Hélène führt ein promiskes, exzessives Sexualleben, ist aber trotzdem nie wirklich glücklich (warum und wieso läßt sich aus dem Film durchaus ableiten, würde hier ab zu weit führen). Im Verlauf des Films wird deutlich, daß sie sowohl mit Männern als auch Frauen regen Kontakt hat -- wenn es sich ergibt auch gegen Geld. Ihre Hauptgespielin ist dabei Réa (Joana Preiss) mit der sie Nachts um die Häuser zieht und Party macht.
Irgendwann beschließen die beiden Pierre ins Nachtleben mitzunehmen, doch sie trennen sich und als die beiden Frauen Pierre schließlich wiederfinden, liegt dieser angetrunken auf der Straße an einer Säule und schläft. Hélène fordert Rhea auf, ihn auszuziehen, was diese auch macht. Pierre erwacht und hat Sex mit Rhea (mitten auf dem Bürgersteig), wobei sich abzeichnet, daß sie es deutlich härter will als er. Auf Schmerzen die sie ihm zufügt, kann er jedenfalls nicht ab. Hélène schaut den beiden teils erregt, teils distanziert zu.
Nach einer weiteren Orgie in einem Schlafzimmer an der mehrere Personen beteiligt waren, wacht Pierre auf und hat Sex mit Rhea, weckt absichtlich seine daneben liegende Mutter, damit diese ihnen zusehen kann. Anschließend hat dann Hélène Sex mit Rhea und will Pierre zusehen lassen. In diesem Moment interveniert jedoch Hansi (unfaßbar hübsch: Emma de Caunes), eine weitere, etwas jüngere Gespielin der Mutter, die Pierre sanft die Augen zuhält und ihn wegzieht.
Die Mutter zieht die Notbreme, weil sie bemerkt worauf die Sache hinauslaufen wird. Sie verläßt zusammen mit Rhea das Haus, "hinterläßt" ihrem Sohn aber Hansi.
Zwischen Hansi und Pierre entwickelt sich schnell eine erste echte Liebe, wobei deutlich wird, wie sehr Hansi darunter leidet in der Vergangenheit von Hélène für ihre Sexspielchen eingespannt worden zu sein. Dies wird am FemDom-Verhältnis von Hansi zu dem adrogyn wirkenden Loulou (Jean-Baptiste Montagut) deutlich. Loulou ist das Mädchen für alles in der Ferienanlage in der Hansi residiert (die Anlage gehört einem ihrer Verwandten). Zuerst läßt sie sich im Beisein Pierres die Stiefel von Loulou ausziehen, dann verdrischt sie ihn in der explizitesten SM-Szene im ganzen Film mit einem Kabel derart, daß er am nächsten morgen halbtot ist. Als Hansi wieder zu sich kommt und erkennt, was sie getan hat, bricht sie in Tränen aus.
Hélène hat unterdessen auf ihrem Trip mit Rhea wenig Spaß, denn es wird deutlich, daß die Männer Rhea lieber wollen als sie, da Rhea jünger ist (Rhea ist vielleicht Mitte 30, Hélène Ende 40). Sie verläßt Rhea und kehrt zum Feriendomizil zurück. Trotz allen Versuchen es abzuwehren, kommen sich hier nun Hélène und Pierre wieder näher (der für Hansi trotzallem einfach nicht dasselbe empfinden kann, wie für seine Mutter). Schließlich kommt es tatsächlich zum Inzest, woraufhin Hélène Selbstmord begeht und Pierre dann neben ihrer Leiche aufwacht.
Die Film ist streckenweise sehr verstörend, die Konfrontation mit der egomanen, skrupellosen Hélène, die gesellschaftliche Konventionen und jegliche Form von "Sexualmoral" einfach ignoriert, ist vermutlich mehr als manch ein Zuschauer ertragen kann. Dennoch wird die Zerrissenheit der Protagonisten zwischen Trieb und dem Wissen dem Trieb eigentlich nicht nachgeben zu sollen, sehr deutlich veranschaulicht.
Auf der einen Seite die dominante, ausschweifend-lebende Mutter, die zwischen den Zeilen aber eben auch als sehr verletzlich erscheint, und auf der anderen ein 17jähriger, der seine Mutter für ihren Lebenswandel einerseits verachtet, sie aber andererseits auch begehrt und im Verlauf des Films seine ersten Erfahrungen mit Liebe, Lust und Scham macht -- auch wenn diese sicherlich etwas atypisch sind.
ARTE strahlte den Film Mitte Juli als FreeTV-Premiere im französischen Original mit deutschen Untertiteln aus. Wann (und ob überhaupt) er zum nächsten Mal zu sehen sein wird, ist ungewiß. Wer nicht solange warten will, kann ihn sich als DVD bestellen (wobei er zur Zeit bei amazon.de nicht geführt wird).
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
Die Hauptrolle in dem Drama spielt einmal mehr Isabelle Huppert (siehe auch "Die Klavierspielerin") als die verwitwete Mutter Hélène. Ihr gegenüber steht ihr 17jähriger Sohn Piere (Louis Garrel), der bisher bei seiner Großmutter gelebt hatte, nach dem Unfalltod seines ihm verhaßten, tyrannischen Vaters aber nun zu seiner Mutter in eine Ferienvilla nach Spanien zieht. Hélène führt dort ein sehr lasterhaftes, ausschweifendes Leben, in das auch Pierre hineingezogen wird.
Von Anfang an ist recht offensichtlich, daß das Verhältnis zwischen Pierre und Hélène keine normale Mutter-Sohn-Beziehung ist, er begehrt sie und sie begehrt ihn. Ein klassischer Ödipuskonflikt liegt hier eigentlich nicht mehr vor, da der Vater -- in der "ödipalen Logik" ja der Rivale des Sohnes -- bereits verstorben ist (ohne Zutun des Sohnes). Damit ist aber auch endlich eine Wiederannäherung zwischen Mutter und Sohn möglich, die dann allerdings im Inzest endet.
Die fast schon nymphoman wirkende Hélène führt ein promiskes, exzessives Sexualleben, ist aber trotzdem nie wirklich glücklich (warum und wieso läßt sich aus dem Film durchaus ableiten, würde hier ab zu weit führen). Im Verlauf des Films wird deutlich, daß sie sowohl mit Männern als auch Frauen regen Kontakt hat -- wenn es sich ergibt auch gegen Geld. Ihre Hauptgespielin ist dabei Réa (Joana Preiss) mit der sie Nachts um die Häuser zieht und Party macht.
Irgendwann beschließen die beiden Pierre ins Nachtleben mitzunehmen, doch sie trennen sich und als die beiden Frauen Pierre schließlich wiederfinden, liegt dieser angetrunken auf der Straße an einer Säule und schläft. Hélène fordert Rhea auf, ihn auszuziehen, was diese auch macht. Pierre erwacht und hat Sex mit Rhea (mitten auf dem Bürgersteig), wobei sich abzeichnet, daß sie es deutlich härter will als er. Auf Schmerzen die sie ihm zufügt, kann er jedenfalls nicht ab. Hélène schaut den beiden teils erregt, teils distanziert zu.
Nach einer weiteren Orgie in einem Schlafzimmer an der mehrere Personen beteiligt waren, wacht Pierre auf und hat Sex mit Rhea, weckt absichtlich seine daneben liegende Mutter, damit diese ihnen zusehen kann. Anschließend hat dann Hélène Sex mit Rhea und will Pierre zusehen lassen. In diesem Moment interveniert jedoch Hansi (unfaßbar hübsch: Emma de Caunes), eine weitere, etwas jüngere Gespielin der Mutter, die Pierre sanft die Augen zuhält und ihn wegzieht.
Die Mutter zieht die Notbreme, weil sie bemerkt worauf die Sache hinauslaufen wird. Sie verläßt zusammen mit Rhea das Haus, "hinterläßt" ihrem Sohn aber Hansi.
Zwischen Hansi und Pierre entwickelt sich schnell eine erste echte Liebe, wobei deutlich wird, wie sehr Hansi darunter leidet in der Vergangenheit von Hélène für ihre Sexspielchen eingespannt worden zu sein. Dies wird am FemDom-Verhältnis von Hansi zu dem adrogyn wirkenden Loulou (Jean-Baptiste Montagut) deutlich. Loulou ist das Mädchen für alles in der Ferienanlage in der Hansi residiert (die Anlage gehört einem ihrer Verwandten). Zuerst läßt sie sich im Beisein Pierres die Stiefel von Loulou ausziehen, dann verdrischt sie ihn in der explizitesten SM-Szene im ganzen Film mit einem Kabel derart, daß er am nächsten morgen halbtot ist. Als Hansi wieder zu sich kommt und erkennt, was sie getan hat, bricht sie in Tränen aus.
Hélène hat unterdessen auf ihrem Trip mit Rhea wenig Spaß, denn es wird deutlich, daß die Männer Rhea lieber wollen als sie, da Rhea jünger ist (Rhea ist vielleicht Mitte 30, Hélène Ende 40). Sie verläßt Rhea und kehrt zum Feriendomizil zurück. Trotz allen Versuchen es abzuwehren, kommen sich hier nun Hélène und Pierre wieder näher (der für Hansi trotzallem einfach nicht dasselbe empfinden kann, wie für seine Mutter). Schließlich kommt es tatsächlich zum Inzest, woraufhin Hélène Selbstmord begeht und Pierre dann neben ihrer Leiche aufwacht.
Die Film ist streckenweise sehr verstörend, die Konfrontation mit der egomanen, skrupellosen Hélène, die gesellschaftliche Konventionen und jegliche Form von "Sexualmoral" einfach ignoriert, ist vermutlich mehr als manch ein Zuschauer ertragen kann. Dennoch wird die Zerrissenheit der Protagonisten zwischen Trieb und dem Wissen dem Trieb eigentlich nicht nachgeben zu sollen, sehr deutlich veranschaulicht.
Auf der einen Seite die dominante, ausschweifend-lebende Mutter, die zwischen den Zeilen aber eben auch als sehr verletzlich erscheint, und auf der anderen ein 17jähriger, der seine Mutter für ihren Lebenswandel einerseits verachtet, sie aber andererseits auch begehrt und im Verlauf des Films seine ersten Erfahrungen mit Liebe, Lust und Scham macht -- auch wenn diese sicherlich etwas atypisch sind.
ARTE strahlte den Film Mitte Juli als FreeTV-Premiere im französischen Original mit deutschen Untertiteln aus. Wann (und ob überhaupt) er zum nächsten Mal zu sehen sein wird, ist ungewiß. Wer nicht solange warten will, kann ihn sich als DVD bestellen (wobei er zur Zeit bei amazon.de nicht geführt wird).
In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 1): Tokio Dekadenz (1992)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin (2001)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 3): Im Reich der Sinne (1976)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary (2002)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 5): Meine Mutter (2004)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen (1986)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 7): Die Geschichte der O (1975)
- BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 8): Verfolgt (2006)
Sonntag, Juni 17, 2007
Wolf's Rain
Nach japanischen Anime-Perlen wie "Ghost in the Shell SAC" und "Gantz" sendet MTV seit ein paar Monaten "Wolf's Rain" (2003) in deutscher Fernseherstausstrahlung, mit jeweils einer Folge pro Woche. Vor zwei Wochen hat man den Zyklus wieder von vorne gestartet, zeigt die Folgen also inzwischen zum zweiten Mal.
Der Plot von "Wolf's Rain" geht ursprünglich auf Keiko Nobumoto zurück, die auch schon den Anime-Klassiker Cowboy Bebop geschrieben hat. Regie führte Tensai Okamura, produziert wurde das Ganze von "Bones".
Die Geschichte spielt -- mal wieder -- in einer post-apokalyptischen Zukunft in Japan. Es ist eine Art Eiszeit angebrochen, die Menschen leben in Armut und Hunger, die Atmosphäre ist düster und der Kampf um die verbliebenen Ressourcen gnadenlos.
In dieser Welt leben auch die letzten Wölfe die es geschafft haben, sich so perfekt zu tarnen, daß sie wie Menschen erscheinen, also i.d.R. nicht als Wölfe erkannt werden können. Auch in der Serie sind die Charaktere daher meistens als Menschen zu erkennen, nur in bestimmten, meist zentralen Sequenzen wird dem Zuschauer ihre eigentliche Wolfs-Gestalt gezeigt.
Im Vordergrund steht die Gechichte der vier Wölfe Kiba, Tsume, Hige und Toboe, die sich auf der Suche nach dem Paradies befinden. Das Paradies ist der Ursprung der Wölfe, eine bessere Welt, in der sie nicht von den Menschen gejagt werden, in der es genug Nahrung gibt und in die sie folglich zurückkehren wollen.
Kiba ist der Anführer des Rudels, der sich von seinen Instinkten leiten läßt und fest von der Existenz des Paradieses überzeugt ist. Tsume ist dagegen eher rational und pessimistisch, ein mürrischer Einzelgänger der sich der Gruppe und ihrer Suche nur anschließt, weil ihm dies besser als alle anderen Optionen erscheint. Wirklich überzeugt von der Existenz des Paradieses ist er allerdings nicht. Hige ist etwas jünger als Kiba und Tsume und bekannt für seinen permanenten Hunger und seine Fixierung aufs weibliche Geschlecht. Toboe ist der Jüngste im Wolfs Rudel, bei einer alten Frau aufgewachsen fällt es ihm schwer nach deren Tod in der rauhen Realität klarzukommen. Es ist sehr auf die Einheit und den Zusammenhalt des Rudels bedacht.
Eine weitere zentrale Rolle spielt das Blumenmädchen ("Blumenjungfrau") Cheza. Sie wurde ursprünglich mittels Alchemie künstlich von Lord Darcia aus einer Mondblume erschaffen. Darcia gehört einem alten ursprünglich sehr mächtigen Adelsgeschlecht an, das aber inzwischen im Verfall begriffen ist. Darcias Großvater hatte den Sprung ins Paradies geschafft, doch seitdem lastet ein Fluch auf der Familie. Dieser Fluch äußert sich zum einen darin, daß ein Auge von Darcia das eines Wolfes ist und zum anderen darin, daß seine geliebte Frau Harmona in einem Koma liegt, da sich ihre Seele im Paradies befindet. Durch die heilenden Kräfte von Cheza möchte Darcia seine Frau wieder aus dem Koma holen.
Doch zu Beginn der Serie befindet sich Cheza in einem "Dornröschenschlaf" und wird in einer Forschungseinrichtung analysiert (wie genau sie dahin gekommen ist, wird nicht ganz klar). Dort weiß man so gut wie nichts über das Blumenmädchen, die leitende Wissenschaftlerin Cher Degré versucht mehr über sie zu erfahren. Cheza erwacht erst aus ihrem Tiefschlaf, als Kiba in ihre Nähe kommt und sie aus der Forschungseinrichtung befreit.
Kiba und seine drei Mitstreiter machen sich nun zusammen mit Cheza auf dem Weg zum Paradies. Cheza spielt hier eine Schlüsselrolle, da sie den Wölfen den Weg ins Paradies weisen kann. Die Mondblumen, aus denen ja auch Cheza gezeugt wurde, und die nur bei Mondschein in der Nacht blühen, bilden hier immer wieder Anhaltspunkte.
Die Wissenschaftlerin Cher Degré ist ebenso von Cheza fasziniert und macht sich auf den Weg, das mysteriöse Blumenmädchen wiederzufinden. Degré wird ihrerseits widerum von ihrem Ex-Ehemann Hubb Lebowski gesucht, ein Polizei Ermittler, der genauso wie seine Ex-Frau zunächst nicht an die Existenz von Wölfen glaubt, sich dann aber eines besseren belehren läßt.
Bei seiner Suche nach seiner Ex tut sich Hubb Lebowski streckenweise mit dem ehemaligen Sheriff und Alkoholiker Quent Yaiden zusammen. Yaiden hat vor langer Zeit seine gesamte Familie durch Wölfe verloren wie er glaubt (tatsächlich waren diese für den Angriff jedoch nicht verantwortlich). Seitdem ist alles was ihn am Leben erhält sein Haß auf die Wölfe die er konsequent jagt. Er ist einer der wenigen, der es schafft die menschliche Tarnung der Wölfe als solche zu erkennen. Dabei hilft ihm seine Wolfshündin Blue, die ihm anfangs loyal ergeben ist, im Verlauf der Serie jedoch auf die Seite der Wölfe überwechselt, als sie sich ihrer Identität bewußt wird.
Neben der Wissenschaftlerin Cher Degré und dem Wolfsjäger Quent Yaiden ist dem Rudel aber auch noch Lord Darcia auf den Fersen, da er mit Hilfe von Cheza wie schon erwähnt seine Frau aus dem Koma holen möchte. Es gelingt ihm zwischenzeitlich auch Cheza an sich zu reißen, jedoch zu spät, seine Frau ist bereits verstorben. Parallel dazu finden Auseinandersetungen zwischen verschiedenen Adligen statt, die obwohl sie geschwächt sind und im Hintergrund verbleiben, immer noch die ordnende Macht in der Gesellschaft darstellen.
Chezas Lebenserwartung ist sehr niedrig, ähnlich wie die Mondblumen aus denen sie erschaffen wurde, blüht sie bei Nacht immer wieder auf, verliert jedoch insgesamt kontinuierlich an Kraft. Die Suche nach dem Paradies ist also auch ein Rennen gegen die Zeit. Auf ihrer langen Reise treffen die vier Wölfe und Cheza immer wieder auf andere Wölfe, die ihnen teilweise feindlich gesinnt sind und den Glauben an das Paradies längst verloren haben.
"Wolf's Rain" ist eine Mischung aus moderner Fabel und SciFi. Im Vordergrund stehen die Spannungen innerhalb des kleinen Wolfsrudels, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Wölfe werden stark betont. Gleichzeitig geht es aber auch um das angespannte Verhältnis zwischen Mensch und Tier, die Wölfe werden entweder als ausgestorben betrachtet, versklavt oder gejagt.
MTV zeigt jeweils eine Folge am Sonntagabend mit schwankender Sendezeit. Der Sendebeginn läßt sich jedoch auf den Zeitraum zwischen 0.30 Uhr bis 1.30 Uhr eingrenzen. Manchmal fängt die Folge auch 10 Minuten früher an, als es im Programm ausgewiesen ist. Insgesamt geht MTV nicht besonders sorgsam mit seinen sonntäglichen Anime-Perlen um. Wer sich davon nicht abschrecken läßt bekommt dann aber auch eine interessante und unterhaltsame Serie geboten. Da die Folgen aufeinander aufbauen, muß man allerdings schon regelmässig reinschauen, um den Faden nicht zu verlieren.
Der Plot von "Wolf's Rain" geht ursprünglich auf Keiko Nobumoto zurück, die auch schon den Anime-Klassiker Cowboy Bebop geschrieben hat. Regie führte Tensai Okamura, produziert wurde das Ganze von "Bones".
Die Geschichte spielt -- mal wieder -- in einer post-apokalyptischen Zukunft in Japan. Es ist eine Art Eiszeit angebrochen, die Menschen leben in Armut und Hunger, die Atmosphäre ist düster und der Kampf um die verbliebenen Ressourcen gnadenlos.
In dieser Welt leben auch die letzten Wölfe die es geschafft haben, sich so perfekt zu tarnen, daß sie wie Menschen erscheinen, also i.d.R. nicht als Wölfe erkannt werden können. Auch in der Serie sind die Charaktere daher meistens als Menschen zu erkennen, nur in bestimmten, meist zentralen Sequenzen wird dem Zuschauer ihre eigentliche Wolfs-Gestalt gezeigt.
Im Vordergrund steht die Gechichte der vier Wölfe Kiba, Tsume, Hige und Toboe, die sich auf der Suche nach dem Paradies befinden. Das Paradies ist der Ursprung der Wölfe, eine bessere Welt, in der sie nicht von den Menschen gejagt werden, in der es genug Nahrung gibt und in die sie folglich zurückkehren wollen.
Kiba ist der Anführer des Rudels, der sich von seinen Instinkten leiten läßt und fest von der Existenz des Paradieses überzeugt ist. Tsume ist dagegen eher rational und pessimistisch, ein mürrischer Einzelgänger der sich der Gruppe und ihrer Suche nur anschließt, weil ihm dies besser als alle anderen Optionen erscheint. Wirklich überzeugt von der Existenz des Paradieses ist er allerdings nicht. Hige ist etwas jünger als Kiba und Tsume und bekannt für seinen permanenten Hunger und seine Fixierung aufs weibliche Geschlecht. Toboe ist der Jüngste im Wolfs Rudel, bei einer alten Frau aufgewachsen fällt es ihm schwer nach deren Tod in der rauhen Realität klarzukommen. Es ist sehr auf die Einheit und den Zusammenhalt des Rudels bedacht.
Eine weitere zentrale Rolle spielt das Blumenmädchen ("Blumenjungfrau") Cheza. Sie wurde ursprünglich mittels Alchemie künstlich von Lord Darcia aus einer Mondblume erschaffen. Darcia gehört einem alten ursprünglich sehr mächtigen Adelsgeschlecht an, das aber inzwischen im Verfall begriffen ist. Darcias Großvater hatte den Sprung ins Paradies geschafft, doch seitdem lastet ein Fluch auf der Familie. Dieser Fluch äußert sich zum einen darin, daß ein Auge von Darcia das eines Wolfes ist und zum anderen darin, daß seine geliebte Frau Harmona in einem Koma liegt, da sich ihre Seele im Paradies befindet. Durch die heilenden Kräfte von Cheza möchte Darcia seine Frau wieder aus dem Koma holen.
Doch zu Beginn der Serie befindet sich Cheza in einem "Dornröschenschlaf" und wird in einer Forschungseinrichtung analysiert (wie genau sie dahin gekommen ist, wird nicht ganz klar). Dort weiß man so gut wie nichts über das Blumenmädchen, die leitende Wissenschaftlerin Cher Degré versucht mehr über sie zu erfahren. Cheza erwacht erst aus ihrem Tiefschlaf, als Kiba in ihre Nähe kommt und sie aus der Forschungseinrichtung befreit.
Kiba und seine drei Mitstreiter machen sich nun zusammen mit Cheza auf dem Weg zum Paradies. Cheza spielt hier eine Schlüsselrolle, da sie den Wölfen den Weg ins Paradies weisen kann. Die Mondblumen, aus denen ja auch Cheza gezeugt wurde, und die nur bei Mondschein in der Nacht blühen, bilden hier immer wieder Anhaltspunkte.
Die Wissenschaftlerin Cher Degré ist ebenso von Cheza fasziniert und macht sich auf den Weg, das mysteriöse Blumenmädchen wiederzufinden. Degré wird ihrerseits widerum von ihrem Ex-Ehemann Hubb Lebowski gesucht, ein Polizei Ermittler, der genauso wie seine Ex-Frau zunächst nicht an die Existenz von Wölfen glaubt, sich dann aber eines besseren belehren läßt.
Bei seiner Suche nach seiner Ex tut sich Hubb Lebowski streckenweise mit dem ehemaligen Sheriff und Alkoholiker Quent Yaiden zusammen. Yaiden hat vor langer Zeit seine gesamte Familie durch Wölfe verloren wie er glaubt (tatsächlich waren diese für den Angriff jedoch nicht verantwortlich). Seitdem ist alles was ihn am Leben erhält sein Haß auf die Wölfe die er konsequent jagt. Er ist einer der wenigen, der es schafft die menschliche Tarnung der Wölfe als solche zu erkennen. Dabei hilft ihm seine Wolfshündin Blue, die ihm anfangs loyal ergeben ist, im Verlauf der Serie jedoch auf die Seite der Wölfe überwechselt, als sie sich ihrer Identität bewußt wird.
Neben der Wissenschaftlerin Cher Degré und dem Wolfsjäger Quent Yaiden ist dem Rudel aber auch noch Lord Darcia auf den Fersen, da er mit Hilfe von Cheza wie schon erwähnt seine Frau aus dem Koma holen möchte. Es gelingt ihm zwischenzeitlich auch Cheza an sich zu reißen, jedoch zu spät, seine Frau ist bereits verstorben. Parallel dazu finden Auseinandersetungen zwischen verschiedenen Adligen statt, die obwohl sie geschwächt sind und im Hintergrund verbleiben, immer noch die ordnende Macht in der Gesellschaft darstellen.
Chezas Lebenserwartung ist sehr niedrig, ähnlich wie die Mondblumen aus denen sie erschaffen wurde, blüht sie bei Nacht immer wieder auf, verliert jedoch insgesamt kontinuierlich an Kraft. Die Suche nach dem Paradies ist also auch ein Rennen gegen die Zeit. Auf ihrer langen Reise treffen die vier Wölfe und Cheza immer wieder auf andere Wölfe, die ihnen teilweise feindlich gesinnt sind und den Glauben an das Paradies längst verloren haben.
"Wolf's Rain" ist eine Mischung aus moderner Fabel und SciFi. Im Vordergrund stehen die Spannungen innerhalb des kleinen Wolfsrudels, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Wölfe werden stark betont. Gleichzeitig geht es aber auch um das angespannte Verhältnis zwischen Mensch und Tier, die Wölfe werden entweder als ausgestorben betrachtet, versklavt oder gejagt.
MTV zeigt jeweils eine Folge am Sonntagabend mit schwankender Sendezeit. Der Sendebeginn läßt sich jedoch auf den Zeitraum zwischen 0.30 Uhr bis 1.30 Uhr eingrenzen. Manchmal fängt die Folge auch 10 Minuten früher an, als es im Programm ausgewiesen ist. Insgesamt geht MTV nicht besonders sorgsam mit seinen sonntäglichen Anime-Perlen um. Wer sich davon nicht abschrecken läßt bekommt dann aber auch eine interessante und unterhaltsame Serie geboten. Da die Folgen aufeinander aufbauen, muß man allerdings schon regelmässig reinschauen, um den Faden nicht zu verlieren.
Samstag, Juni 16, 2007
Ossi -- Schicksalsjahre einer Kanzlerin
Das legendäre Satiremagazin "extra 3" des NDR erzählt hier die Geschichte von Angela Merkel mit Kaiser Franz Müntefering und Graf Guido Westerwelle *rofl*.
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Freitag, Juni 15, 2007
Texhnolyze
Texhnolyze (sprich "technolize") ist eine japanische Anime-Serie aus dem Jahr 2003. Sie gilt als eine der düstersten, japanischen Anime-Serie der letzten Jahre.
Regie führte Hirotsugu Hamazaki, die Charaktere wurden von Yoshitoshi ABe geschaffen, Produzent war Yasuyuki Ueda. Das Team Ueda und ABe hat vorher schon Anime-Serien wie Haibane Renmei (2002) und Serial Experiments Lain (1998) zusammen kreiert, die zumindest innerhalb der Fachszene einen sehr hohen Stellenwert genießen.
Die Serie spielt in einer nicht näher spezifizierten, postapokalyptisch-anmutenden Zukunft in Japan in der unterirdischen Stadt "Lukuss". Die Existenz der Stadt basiert einzig auf der Förderung von "Raffia", ein Rohstoff der in der Serie eine ähnlich zentrale Rolle wie "Spice" im Klassiker "Dune" spielt. Ähnlich wie die bewußtseinsverändernde Droge bei Dune immer fließen muß, kommt auch die Welt in Texhnolyze nicht ohne Raffia aus, das ausschließlich in Lukuss, der unterirdischen Stadt, vorkommt.
Raffia ist ein Stoff der verhindert, daß der menschliche Körper künstliche Gliedmaßen abstößt. Diese technischen Prothesen sind bei Texhnolyze von entscheidener Bedeutung, da die Menschheit Probleme mit der Reproduktion hat und technische Prothesen als entscheidende, lebensverlängernde Maßnahme gelten (grob gesprochen). Diese Ausstattung mit Prothesen wird unter dem Begriff "Texhnolyze" zusammengefaßt. Neben dem Titel der Serie steht "Texhnolyze" also als Synonym für die Prothesen -- und darüber hinaus auch für den Vorgang einen Mensch mit der Prothese auszustatten. "Texhnolyze" ist ferner der Begriff für das Gesellschaftsprinzip, das auf dieser Prothesen-Technologie aufbaut. Während "Raffia" wie beschrieben das "Schmiermittel" ist, ohne das die Prothesen nutzlos sind, da der Körper sie sonst abstößt.
Neben den einfachen Stadtbewohnern gibt es vier Gruppierungen in Lukuss, die Macht ausüben. Ganz oben in der Hierarchie steht die sog. "Klasse", die auf dem "Hügel" oberhalb der Stadt residiert und die Stadt angeblich nur deshalb existieren läßt, weil diese das Raffia fördert. Die "Klasse" werden als gottgleiche Wesen beschrieben, deren Status von kaum jemanden innerhalb der Stadt ernsthaft hinterfragt wird. Die "Klasse" ist hoch technologisiert, die notwendige Texhnolyze-Technologie kommt von ihr und außer ihr werden nur privilegierte Personen aus der Stadt mit Texhnolyze ausgestattet.
Zu diesen Privilegierten gehört die herrschende Kaste innerhalb der Stadt, die sog. "Organo". Organo ist eine mafia-ähnliche Organisation die von der Struktur her sehr an die japanische Yakuza erinnert. Ihre Mitglieder tragen Anzüge, wirken insgesamt zivilisierter und gebildeter als die restlichen Stadtbewohner, haben aber keine Skrupel ihren Machtanspruch notfalls mit aller Härte durchzusetzen. Die Organo vertreibt als Unternehmen die Texhnolyze-Technologie und hat hier eine Monopolstellung. Im Gegenzug ist sie gegenüber der "Klasse" verpflichtet, die kontinuierliche Raffia-Förderung sicherzustellen.
Am stärksten herausgefordert wird die Organo von der "Union", einer Sekte die danach strebt an Stelle der Organo zu treten und die Macht in der Stadt zu übernehmen. Anders als die Organo spricht sich die Union strikt gegen den Einsatz von Texhnolyze aus, sie glaubt, daß die Menschheit ohne Texhnolyze auskommen sollte, will sozusagen wieder zurück zu den Wurzeln. Diese Position wird aber von der Organo als verlogen dargestellt, da z.B. der Union-Anführer, Kimata Motoharu, selbst über eine Texhnolyze-Prothese verfügt.
Die dritte Gruppe im Kampf um die Macht in der Stadt sind schließlich die "Racan", eine Art Straßengang bestehend aus Jugendlichen und Twens, die schlechter aufgestellt als die Organo und die Union ist, aber auf der Straße sehr dominant ist und sich durch Kleinkriminalität auszeichnet. Anführer der Racan ist der charismatische Shinji. Auch die Racans verfügen teilweise über Texhnolyze-Implantate.
Hauptfigur der Serie ist jedoch der junge Ichise, ein sehr willensstarker und rebellischer Heranwachsender. Am Anfang wird ihm von einem sadistischen Organo-Mitglied mit einem Samurai-Schwert (der Standard-Waffe der Organo) ein Arm und ein Bein abgetrennt.
Ichise überlebt jedoch und wird durch Zufall von der Ärztin "Doc" auf der Straße gefunden. Doc entstammt ursprünglich der "Klasse", hat sich von dieser jedoch losgesagt und möchte so viele "normale" Menschen wie möglich mit Texhnolyze ausstatten. Für sie ist Texhnolyze Bestandteil der menschlichen Evolution, statt Prothesen zu entwickeln, die genauso wirken wie die ursprünglichen Gliedmaßen, strebt sie danach die Texhnolyze-Implantate immer weiter zu verbessern. So bekommt Ichise eine Arm- und Bein-Prothese die ihn nahezu unbesiegbar machen (weckt natürlich sofort Erinnerungen an "Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann").
Ichise ist anfangs alles andere als begeistert über seine neuen Prothesen (die ihm ohne sein Einverständnis verpaßt wurden), da sie nicht so funktionieren, wie er es sich vorstellt. Damit die Prothesen überhaupt funktionieren hat Doc ihnen ein paar Zellen von Ichises verstorbener Mutter implantiert, die Ichise bis dato als Andenken in einer Kapsel um den Hals trug. Auch das findet Ichise alles andere als toll. Doch nach der anfänglichen Wut wird Ichise im Zuge der Serie immer ruhiger, regelrecht apathisch. Nur hin und wieder blitzt der Haß in ihm wieder auf, etwa als er die Männer stellt die seinen Vater verraten haben (der deshalb getötet wurde) oder das Organo-Mitglied richtet, das ihn verstümmelte.
Eine weitere zentrale Figur ist Ran ist ein kleines Mädchen, das über die ungewöhnliche Gabe verfügt in die Zukunft sehen zu können, wobei es sich allerdings immer nur um eine mögliche Zukunft handelt und sie hier auch immer nur die unmittelbar folgenden Geschehnissen erkennen kann, ihr Zukunftsblick ist also eingeschränkt. Sie ist auf geheimnisvolle Weise mit Ichise verbunden, will ihm jedoch nicht seine Zukunft verraten.
Im ersten Teil der Serie spielt weiterhin Kazuho Yoshii eine entscheidende Rolle, der aus der Außenwelt nach Lukuss kommt. Zuerst wirkt er wie ein Tourist, eine Art Chronist, der wissbegierig alles über die Stadt erfahren möchte. Später stellt sich jedoch heraus, daß er ein Intrigant und Attentäter ist, der systematisch alle drei Gruppen in Lukuss (Organo, Union und Racan) aufeinanderhetzt und am Ende sogar ein Attentat auf ein Mitglied der Klasse plant, die er für schwach und krank hält. Während es anfangs noch so scheint, als habe er einen Auftrageber, agiert Yoshii immer autonomer und versucht die Stadt ins Chaos zu stürzen, aus dem eine neue Weltordnung entstehen soll.
Zunächst scheint Yoshiis Plan aufzugehen, alle beteiligten Gruppen gehen aufeinanderlos. Nur Keigo Onishi, der Kopf der Organo, durchschaut, daß hier falsch gespielt wird. Er kann die anderen allerdings nicht davon überzeugen, daß es um einen Komplott geht und sie gegeneinander ausgespielt werden sollen. Es kommt zum erbitterten Krieg zwischen den drei Gruppen, wobei es in der Organo auch noch interne Querelen gibt, Onishi soll gestürzt und gegenüber der Klasse als Sündenbock für das Chaos herhalten.
Gemeinsam mit Ichise gelingt es Onishi jedoch Yoshii aufzuhalten, er wird von Ichise zur Strecke gebracht und stirbt schließlich durch seinen eigenen Handlanger Sakimura. Onishi nimmt seine alte Stellung wieder ein, liegt aber noch geschwächt im Krankenhaus. Ichise steigt bei der Organo ein und deckt auf, daß ein Teil der Anschläge auch auf das Konto eines Organo-Bosses gingen, der Onishis Führungsstil diskreditieren wollte.
Insgesamt ist Texhnolyze eine sehr avantgardistische Anime-Serie, in der es viel um Identität, den freien Willen und Fatalismus geht. Die zunehmende Mechanisierung des menschlichen Körpers wirft die Frage auf, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht. Auch die Frage nach Humanität in einer durch und durch inhumanen Gesellschaft wird immer wieder zwischen den Zeilen gestellt. Viele Dinge bleiben im Dunkeln, dem Zuschauer wird abverlangt selbst frei zu interpretieren, was er sieht. Wer sich darauf einläßt, bekommt dann aber gute Unterhaltung geboten.
VOX zeigte die Folgen 1 bis 12 am letzten Freitag in deutscher Fernseherstausstrahlung. Heute gibt es dann den zweiten Teil mit den Folgen 13 bis 22 von 0.30 bis 5.10 Uhr. Für knapp fünf Stunden dieser Serie am Stück und dann auch noch bis in die frühen Morgenstunden braucht es schon etwas Ausdauer, notfalls sollte man eben einfach den Video- oder Festplatten-Rekorder programmieren. Allerdings ist das immer noch angenehmer, als sich jede Woche nur eine Episode ansehen zu können, wo es dann immer einen nervigen Cliffhanger gibt. Da ich hier die ersten 12 Folgen vom letzten Freitag zusammengefaßt habe, macht es auch nichts, wenn man heute erst mit dem zweiten Teil einsteigt.
Regie führte Hirotsugu Hamazaki, die Charaktere wurden von Yoshitoshi ABe geschaffen, Produzent war Yasuyuki Ueda. Das Team Ueda und ABe hat vorher schon Anime-Serien wie Haibane Renmei (2002) und Serial Experiments Lain (1998) zusammen kreiert, die zumindest innerhalb der Fachszene einen sehr hohen Stellenwert genießen.
Die Serie spielt in einer nicht näher spezifizierten, postapokalyptisch-anmutenden Zukunft in Japan in der unterirdischen Stadt "Lukuss". Die Existenz der Stadt basiert einzig auf der Förderung von "Raffia", ein Rohstoff der in der Serie eine ähnlich zentrale Rolle wie "Spice" im Klassiker "Dune" spielt. Ähnlich wie die bewußtseinsverändernde Droge bei Dune immer fließen muß, kommt auch die Welt in Texhnolyze nicht ohne Raffia aus, das ausschließlich in Lukuss, der unterirdischen Stadt, vorkommt.
Raffia ist ein Stoff der verhindert, daß der menschliche Körper künstliche Gliedmaßen abstößt. Diese technischen Prothesen sind bei Texhnolyze von entscheidener Bedeutung, da die Menschheit Probleme mit der Reproduktion hat und technische Prothesen als entscheidende, lebensverlängernde Maßnahme gelten (grob gesprochen). Diese Ausstattung mit Prothesen wird unter dem Begriff "Texhnolyze" zusammengefaßt. Neben dem Titel der Serie steht "Texhnolyze" also als Synonym für die Prothesen -- und darüber hinaus auch für den Vorgang einen Mensch mit der Prothese auszustatten. "Texhnolyze" ist ferner der Begriff für das Gesellschaftsprinzip, das auf dieser Prothesen-Technologie aufbaut. Während "Raffia" wie beschrieben das "Schmiermittel" ist, ohne das die Prothesen nutzlos sind, da der Körper sie sonst abstößt.
Neben den einfachen Stadtbewohnern gibt es vier Gruppierungen in Lukuss, die Macht ausüben. Ganz oben in der Hierarchie steht die sog. "Klasse", die auf dem "Hügel" oberhalb der Stadt residiert und die Stadt angeblich nur deshalb existieren läßt, weil diese das Raffia fördert. Die "Klasse" werden als gottgleiche Wesen beschrieben, deren Status von kaum jemanden innerhalb der Stadt ernsthaft hinterfragt wird. Die "Klasse" ist hoch technologisiert, die notwendige Texhnolyze-Technologie kommt von ihr und außer ihr werden nur privilegierte Personen aus der Stadt mit Texhnolyze ausgestattet.
Zu diesen Privilegierten gehört die herrschende Kaste innerhalb der Stadt, die sog. "Organo". Organo ist eine mafia-ähnliche Organisation die von der Struktur her sehr an die japanische Yakuza erinnert. Ihre Mitglieder tragen Anzüge, wirken insgesamt zivilisierter und gebildeter als die restlichen Stadtbewohner, haben aber keine Skrupel ihren Machtanspruch notfalls mit aller Härte durchzusetzen. Die Organo vertreibt als Unternehmen die Texhnolyze-Technologie und hat hier eine Monopolstellung. Im Gegenzug ist sie gegenüber der "Klasse" verpflichtet, die kontinuierliche Raffia-Förderung sicherzustellen.
Am stärksten herausgefordert wird die Organo von der "Union", einer Sekte die danach strebt an Stelle der Organo zu treten und die Macht in der Stadt zu übernehmen. Anders als die Organo spricht sich die Union strikt gegen den Einsatz von Texhnolyze aus, sie glaubt, daß die Menschheit ohne Texhnolyze auskommen sollte, will sozusagen wieder zurück zu den Wurzeln. Diese Position wird aber von der Organo als verlogen dargestellt, da z.B. der Union-Anführer, Kimata Motoharu, selbst über eine Texhnolyze-Prothese verfügt.
Die dritte Gruppe im Kampf um die Macht in der Stadt sind schließlich die "Racan", eine Art Straßengang bestehend aus Jugendlichen und Twens, die schlechter aufgestellt als die Organo und die Union ist, aber auf der Straße sehr dominant ist und sich durch Kleinkriminalität auszeichnet. Anführer der Racan ist der charismatische Shinji. Auch die Racans verfügen teilweise über Texhnolyze-Implantate.
Hauptfigur der Serie ist jedoch der junge Ichise, ein sehr willensstarker und rebellischer Heranwachsender. Am Anfang wird ihm von einem sadistischen Organo-Mitglied mit einem Samurai-Schwert (der Standard-Waffe der Organo) ein Arm und ein Bein abgetrennt.
Ichise überlebt jedoch und wird durch Zufall von der Ärztin "Doc" auf der Straße gefunden. Doc entstammt ursprünglich der "Klasse", hat sich von dieser jedoch losgesagt und möchte so viele "normale" Menschen wie möglich mit Texhnolyze ausstatten. Für sie ist Texhnolyze Bestandteil der menschlichen Evolution, statt Prothesen zu entwickeln, die genauso wirken wie die ursprünglichen Gliedmaßen, strebt sie danach die Texhnolyze-Implantate immer weiter zu verbessern. So bekommt Ichise eine Arm- und Bein-Prothese die ihn nahezu unbesiegbar machen (weckt natürlich sofort Erinnerungen an "Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann").
Ichise ist anfangs alles andere als begeistert über seine neuen Prothesen (die ihm ohne sein Einverständnis verpaßt wurden), da sie nicht so funktionieren, wie er es sich vorstellt. Damit die Prothesen überhaupt funktionieren hat Doc ihnen ein paar Zellen von Ichises verstorbener Mutter implantiert, die Ichise bis dato als Andenken in einer Kapsel um den Hals trug. Auch das findet Ichise alles andere als toll. Doch nach der anfänglichen Wut wird Ichise im Zuge der Serie immer ruhiger, regelrecht apathisch. Nur hin und wieder blitzt der Haß in ihm wieder auf, etwa als er die Männer stellt die seinen Vater verraten haben (der deshalb getötet wurde) oder das Organo-Mitglied richtet, das ihn verstümmelte.
Eine weitere zentrale Figur ist Ran ist ein kleines Mädchen, das über die ungewöhnliche Gabe verfügt in die Zukunft sehen zu können, wobei es sich allerdings immer nur um eine mögliche Zukunft handelt und sie hier auch immer nur die unmittelbar folgenden Geschehnissen erkennen kann, ihr Zukunftsblick ist also eingeschränkt. Sie ist auf geheimnisvolle Weise mit Ichise verbunden, will ihm jedoch nicht seine Zukunft verraten.
Im ersten Teil der Serie spielt weiterhin Kazuho Yoshii eine entscheidende Rolle, der aus der Außenwelt nach Lukuss kommt. Zuerst wirkt er wie ein Tourist, eine Art Chronist, der wissbegierig alles über die Stadt erfahren möchte. Später stellt sich jedoch heraus, daß er ein Intrigant und Attentäter ist, der systematisch alle drei Gruppen in Lukuss (Organo, Union und Racan) aufeinanderhetzt und am Ende sogar ein Attentat auf ein Mitglied der Klasse plant, die er für schwach und krank hält. Während es anfangs noch so scheint, als habe er einen Auftrageber, agiert Yoshii immer autonomer und versucht die Stadt ins Chaos zu stürzen, aus dem eine neue Weltordnung entstehen soll.
Zunächst scheint Yoshiis Plan aufzugehen, alle beteiligten Gruppen gehen aufeinanderlos. Nur Keigo Onishi, der Kopf der Organo, durchschaut, daß hier falsch gespielt wird. Er kann die anderen allerdings nicht davon überzeugen, daß es um einen Komplott geht und sie gegeneinander ausgespielt werden sollen. Es kommt zum erbitterten Krieg zwischen den drei Gruppen, wobei es in der Organo auch noch interne Querelen gibt, Onishi soll gestürzt und gegenüber der Klasse als Sündenbock für das Chaos herhalten.
Gemeinsam mit Ichise gelingt es Onishi jedoch Yoshii aufzuhalten, er wird von Ichise zur Strecke gebracht und stirbt schließlich durch seinen eigenen Handlanger Sakimura. Onishi nimmt seine alte Stellung wieder ein, liegt aber noch geschwächt im Krankenhaus. Ichise steigt bei der Organo ein und deckt auf, daß ein Teil der Anschläge auch auf das Konto eines Organo-Bosses gingen, der Onishis Führungsstil diskreditieren wollte.
Insgesamt ist Texhnolyze eine sehr avantgardistische Anime-Serie, in der es viel um Identität, den freien Willen und Fatalismus geht. Die zunehmende Mechanisierung des menschlichen Körpers wirft die Frage auf, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht. Auch die Frage nach Humanität in einer durch und durch inhumanen Gesellschaft wird immer wieder zwischen den Zeilen gestellt. Viele Dinge bleiben im Dunkeln, dem Zuschauer wird abverlangt selbst frei zu interpretieren, was er sieht. Wer sich darauf einläßt, bekommt dann aber gute Unterhaltung geboten.
VOX zeigte die Folgen 1 bis 12 am letzten Freitag in deutscher Fernseherstausstrahlung. Heute gibt es dann den zweiten Teil mit den Folgen 13 bis 22 von 0.30 bis 5.10 Uhr. Für knapp fünf Stunden dieser Serie am Stück und dann auch noch bis in die frühen Morgenstunden braucht es schon etwas Ausdauer, notfalls sollte man eben einfach den Video- oder Festplatten-Rekorder programmieren. Allerdings ist das immer noch angenehmer, als sich jede Woche nur eine Episode ansehen zu können, wo es dann immer einen nervigen Cliffhanger gibt. Da ich hier die ersten 12 Folgen vom letzten Freitag zusammengefaßt habe, macht es auch nichts, wenn man heute erst mit dem zweiten Teil einsteigt.
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