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Montag, Juni 04, 2007
Perfect (Exceeder)
"Percect (Exceeder)" ist ein Mash-up von "Exceeder", einem ursprünglich rein instrumentalen Dancetrack des holländischen Producers "Mason", und "Perfect", einer Single der US-Rapperin "Princess Superstar".
Das Video wurde vom britischen Regisseur Marcus Adams gedreht. Hauptakteurinnen sind Lauren Ridealgh, Casey Batchelor und Lisa Shepley die in einem inszenierten Wettkampf Turn- und Gymnastikübungen vollziehen (Schwebebalken, Stufenbarren, Bodenturnen, etc.), während zwischendurch auch immer wieder männliche Turner zu sehen sind, die ihrerseits Übungen durchführen.
Das Video ist insgesamt ästhetisch inszeniert, die Outfits sind ebenso schrill wie das Make-up, ein klassisches Dancefloor-Video, das von der Optik natürlich sehr an das Video zum Dance-Klassiker "Call On Me" von Eric Prydz erinnert.
Sonntag, Februar 04, 2007
Wild und weiblich in Bayern
Wann weiß der deutsche Mann, daß er in die Jahre gekommen ist? Vermutlich wenn er Tele-GYM auf dem Bayerischen Rundfunk (BR) stimulierender findet, als die DSF Sexy Sport Clips *lacht*.
Bei mir hat das einfach praktische Gründe, meine "Chillout-Zone" (der Zeitpunkt, bei dem man sich nach einer Party einfach noch irgend etwas in der Glotze anschaut, um vor dem Schlafen gehen etwas runterzukommen), liegt meistens jenseits von 6 Uhr, nicht selten zappe ich dann um 7:15 Uhr bei Tele-GYM rein. Die anderen täglichen Ausstrahlungstermine um 9:00 und 11:05 Uhr habe ich dagegen noch nie wahrnehmen können, da ich zu diesem Zeitpunkt dann schon irgendwo in meiner REM-Phase bin *rofl*.
Das im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte morgendliche Gymnastikprogramm hat einen recht unterschiedlichen Unterhaltungswert. So nickt man in der Regel einfach ein, wenn Rentner mit Turnübungen ihrer Osteoporose vorbeugen oder bajuwarische Alpinisten sich mit Trockentraining auf den Ski-Sport vorbereiten.
Wenn aber eine Sendung wie die von D.G. Müller einen Titel wie "Wild und weiblich" trägt, wird man als Mann natürlich sofort hellhörig. Obwohl hier wohl vornehmlich Frauen angesprochen werden sollen, denen Frau Müller die "pure Lust an Bewegung" vermitteln möchte. Mit einer Kombination aus "Atemtechnik, Körpertherapie, dynamischen Jungle-Gym-Elementen und sinnlichen Beckenbodenübungen" sollen "körperliche und seelische Verspannungen" gelöst werden.
Was unter "Jungle-Gym-Elementen" und "Atemtechnik" zu verstehen ist, kann man nicht nur bei Tele-GYM selbst, sondern in Ausschnitten auch bei TV-Total beobachten. Denn auch der werte Herr Raab hat "Wild und weiblich" für seine Sendung entdeckt und bringt immer mal wieder einen neuen Auszug.
Dabei entpuppt sich "Wild und weiblich" als eine jener Sendungen, die wirklich "grenzwertig" in dem Sinne sind, daß es unmöglich ist sie zu parodieren, weil sie selbst wie eine Parodie wirken. Mit einem Mix aus esoterisch-anmutenden Anleitungen ("Lassen Sie ihr Brustbein mit der Erde plaudern"), wilden Tanzeinlagen (fauchen und kratzen wie eine Katze) und urkomischen Hechel- und Hauch-Atemübungen, trainieren die Darstellerinnen eigentlich eher die Lachmuskeln der Zuschauer.
"Wild und weiblich" läuft zur Zeit immer Samstags um 7:15 Uhr im BR. Falls ihr da noch oder schon auf seid, einfach mal reinzappen, es lohnt sich wirklich *lol*.
Bei mir hat das einfach praktische Gründe, meine "Chillout-Zone" (der Zeitpunkt, bei dem man sich nach einer Party einfach noch irgend etwas in der Glotze anschaut, um vor dem Schlafen gehen etwas runterzukommen), liegt meistens jenseits von 6 Uhr, nicht selten zappe ich dann um 7:15 Uhr bei Tele-GYM rein. Die anderen täglichen Ausstrahlungstermine um 9:00 und 11:05 Uhr habe ich dagegen noch nie wahrnehmen können, da ich zu diesem Zeitpunkt dann schon irgendwo in meiner REM-Phase bin *rofl*.
Das im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte morgendliche Gymnastikprogramm hat einen recht unterschiedlichen Unterhaltungswert. So nickt man in der Regel einfach ein, wenn Rentner mit Turnübungen ihrer Osteoporose vorbeugen oder bajuwarische Alpinisten sich mit Trockentraining auf den Ski-Sport vorbereiten.
Wenn aber eine Sendung wie die von D.G. Müller einen Titel wie "Wild und weiblich" trägt, wird man als Mann natürlich sofort hellhörig. Obwohl hier wohl vornehmlich Frauen angesprochen werden sollen, denen Frau Müller die "pure Lust an Bewegung" vermitteln möchte. Mit einer Kombination aus "Atemtechnik, Körpertherapie, dynamischen Jungle-Gym-Elementen und sinnlichen Beckenbodenübungen" sollen "körperliche und seelische Verspannungen" gelöst werden.
Was unter "Jungle-Gym-Elementen" und "Atemtechnik" zu verstehen ist, kann man nicht nur bei Tele-GYM selbst, sondern in Ausschnitten auch bei TV-Total beobachten. Denn auch der werte Herr Raab hat "Wild und weiblich" für seine Sendung entdeckt und bringt immer mal wieder einen neuen Auszug.
Dabei entpuppt sich "Wild und weiblich" als eine jener Sendungen, die wirklich "grenzwertig" in dem Sinne sind, daß es unmöglich ist sie zu parodieren, weil sie selbst wie eine Parodie wirken. Mit einem Mix aus esoterisch-anmutenden Anleitungen ("Lassen Sie ihr Brustbein mit der Erde plaudern"), wilden Tanzeinlagen (fauchen und kratzen wie eine Katze) und urkomischen Hechel- und Hauch-Atemübungen, trainieren die Darstellerinnen eigentlich eher die Lachmuskeln der Zuschauer.
"Wild und weiblich" läuft zur Zeit immer Samstags um 7:15 Uhr im BR. Falls ihr da noch oder schon auf seid, einfach mal reinzappen, es lohnt sich wirklich *lol*.
Sonntag, Oktober 08, 2006
Spray more, get more?
Im neuen Werbespot von Axe sieht man jede Menge ausgesprochen hübsche Models durch den Wald, das Meer und die Berge jagen. Ihr Ziel, wie könnte es anders sein, ist ein junger Mann der sich die volle Breitseite Axe gibt und dadurch natürlich extrem anziehend auf das andere Geschlecht wirkt.
Das Erste was mir bei dem ganzen Gerenne, Geschwimme und Gekletter aber spontan durch den Kopf geschossen ist: Wie schaffen es so dürre Models ohne Muskeln und ohne Fettreserven einen solchen Triathlon-ähnlichen Wettbewerb durchzustehen? Hach, wie unrealistisch! *lacht*
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Samstag, Juli 29, 2006
Verliererfahnen auf sonnenverbrannten Brüsten
"Man lernt nie aus. Während der Fußballweltmeisterschaft habe ich gelernt, dass "die Leichtigkeit des Seins" (Reinhold Beckmann) in Deutschland folgendermaßen aussieht: hektoliterweise Bier saufen, mit heiserer Stimme "SIEG" bellen, den nackten behaarten Arsch aus dem Autofenster halten und sich als Frau die schwarz-rot-goldene Verliererfahne auf die sonnenverbrannten Brüste schminken. Was an diesem Verhalten "leicht" und "heiter" sein soll, konnte mir zwar auch der an Plappersucht leidende Beckmann nicht erklären, aber wozu braucht man Argumente, wenn man dumpfe Emotionen hat. So ist das eben in einem Land, in dem Rammstein als Rockmusik und Rudi Carrell als Entertainer gilt." (HARTMUT EL KURDI)
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Politik und Gesellschaft,
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Zitate
Montag, April 10, 2006
My way or the highway
Jürgen Klinsmanns Ruf, einsame, unbequeme Entscheidungen zu treffen, eilt ihm voraus. Wenn man aufzählt, mit welchen Entscheidungen er in seiner Funktion als Bundestrainer bisher immer wieder halb Fußballdeutschland gegen sich aufgebracht hat, kommt so einiges zusammen. Er hat...
Klinsmann also als Underdog, der sich wacker der Übermacht aus Kaiser, Bayern-Fürsten und Bild-Redaktion entgegenstemmt? Es gibt natürlich auch eine andere Darstellung der Geschichte, die Klinsmanns eigenes, als sehr einflußreich geltenes Netzwerk betont. So schreibt etwa Wolfram Eilenberger in Cicero über Klinsmanns Firma "Soccersolutions":
Also "Soccersolutions" als einflußreiches Gegengewicht zur "Triple-B-Allianz"? Zumindest im Inland sind die drei großen Bs tonangebend, insofern kann man Klinsmanns Entscheidung Pro-Lehmann schon als mutig bezeichnen. Endgültig klar ist damit aber auch, daß Klinsmann nichts mehr zu melden haben wird, wenn die deutsche Elf den Titel nicht tatsächlich holt. Aber das war vielleicht schon von Anfang an klar. Klinsmanns Vertrag läuft im Juli 2006 aus und er hat bisher keine Anstalten gemacht, ihn verlängern zu lassen. Es wäre dann aber immerhin der vielleicht erste Vertrag, den er nicht vorzeitig kündigt:
Ob die Entscheidung Lehmann den Vorzug vor Kahn zu geben sachlich richtig war, ist auch bei den Kommentatoren umstritten. Die meisten tendieren aber soweit ich es überlicke dazu, Klinsmann recht zu geben, da Kahn in den letzten Wochen deutlich geschwächelt hatte, während sich sein Konkurrent Lehmann in Topform präsentierte. Achim Achilles frotzelt in seiner SPON-Kolumne:
Achilles beschreibt Kahn als jemand der seinen Zenit überschritten hat, der seinen Testosteron-Fluß vortäuschen muß, weil dieser längst ausbleibt. Kahn ist einfach zu alt. Was Achilles dabei wissentlich oder unwissentlich außen vor läßt ist, daß Lehmann genau wie Kahn Jahrgang 1969 ist. Lehmann mag vielleicht zur Zeit in besserer Form sein, jünger und "testosteronreicher" ist er damit nicht. Die jW-Autorin Uschi Diesl ist mit Klinsmann Entscheidung weniger zufrieden als der SPON-Kollege und schreibt bissig:
Mit "großkotziger Leichtsinn" ist hier vermutlich Lehmanns "libero-artiges Spiel außerhalb des Strafraums" (Wikipedia) gemeint, das ihm schon mehrere Gegentore eingebracht hat.
Auffällig ist, daß solche ja eigentlich sachlichen Fragen in der öffentlichen Diskussion nicht mal im Vordergrund stehen. Es geht immer nur darum, ob die ganze Sache nicht ein abgekartetes Spiel war, ob für Klinsmann nicht von Anfang an klar war, daß es Lehmann wird, ob Klinsmann von Anfang an Kahn systematisch demontiert hat oder ob nicht umgekehrt Beckenbauer und Co. ständig versucht haben Klinsmann zu diskreditieren und dieser einfach reagieren mußte. Oder gab es vielleicht ganz andere, ökonomische Interessen? Rudi Brückner schreibt in einer eurosport.de-Kolumne:
Und wie passen eigentlich Klinsmanns Ambitionen die er mit seiner Firma "Soccersolutions" hegt in dieses Spiel? etc. pp. Die Mutmaßungen und Verschwörungstheorien sprießen, die Kommentatoren spalten sich in ein Pro- und ein Kontra-Klinsmann-Lager.
Die Frage ist, ob der Zeitpunkt richtig gewählt war. Hätte Klinsmann noch bis nach dem Bremen-Spiel warten sollen? Auch das wäre von Kahn-Befürwortern doch als unpassend gewertet worden, weil es dann geheißen hätte, Klinsmann nimmt das eine schlechte Spiel gegen Bremen zum Anlaß. Hätte er die Entscheidung noch länger hinauszögern sollen? Es waren doch gerade die Bayern, die Druck machten, daß er sich endlich entscheiden sollte. Christian Gödecke schreibt bei SPON:
Sicher wurden Kahn und Lehmann durch dieses Hinhalten, das nicht-endgültig-festlegen-wollen unter Druck gesetzt. Doch gerade darum ging es doch, festzustellen, wie sich die beiden unter Druck verhalten. Denn der Druck, dem der Keeper dann während der WM im eigenen Land ausgesetzt ist, dürfte noch mal ungleich höher sein. Die letzten Wochen haben gezeigt, daß Lehmann offenbar besser unter Druck spielen kann, als Kahn -- obwohl dies ja eigentlich besonders dessen Stärke sein soll.
Und ein Bundestrainer, der sich in seiner Entscheidungsfindung nach Bild, Beckenbauer oder dem Volksmund richtet, wäre uns das tatsächlich lieber? Man sollte Klinsmann machen lassen, ob er mit seinen Entscheidungen richtig lag oder nicht, wird sich ohnehin erst im Sommer endgültig klären lassen.
Eher Pro-Klinsmann-Artikel:
- Thomas Pany, "Nur einer ist Titan: Klinsmann", TP, 08.04.06
- Achim Achilles, "Ollis Testosteron-Nostalgie", SPON, 08.04.06
- Christian Gödecke, "Die Rache des Dickschädels", SPON, 08.04.06
Eher Kontra-Klinsmann-Artikel:
- Wolfram Eilenberger, "Looking for Jürgen", Cicero, 03/06
- Uschi Diesl, "Ausgebufft ausgebootet", junge Welt, 08.04.06
- Rudi Brückner, "Brückners Breitseite", eurosport.de, 08.04.06
- ... die Leitung der Mannschaft mit ihm als Trainer, Oliver Bierhoff als Manager und Joachim Löw als Co-Trainer drei geteilt.
- ... einen Chefscout aus der Schweiz, einen Psychologen von der Uni Heidelberg und einen Fitnesstrainer aus Arizona engagiert und damit eine kontroverse Debatte ausgelöst, wie optimales Fußballtraining und -management heutzutage eigentlich auszusehen hat.
- ... Sepp Maier nach 17 Jahren als Bundestorwarttrainer entlassen, weil der zu eindeutig an Oliver Kahn als erstem Keeper geklebt hat.
- ... Christian Wörns aus dem Kader der Nationaelf gekickt, nachdem dieser sich despektierlich über seine Nichtnominierung bei einem Spiel geäußert hatte.
- ... sich mehrmals den Ärger Beckenbauers zugezogen, zuletzt durch sein Fernbleiben beim WM-Workshop in Düsseldorf, an dem eigentlich alle Trainer aller WM-Mannschaften teilnehmen sollten.
- ... Jens Lehmann zur Nummer Eins im deutschen Tor erklärt, nachdem diese Position lange Zeit Oliver Kahn zugestanden hatte.
"Damit hat sich Kalifornien-Jürgen selbst zum kühnen Helden gemacht, weil er gewagt hat, was sich deutsche Führungs-Politiker nicht trauen: Der Bildzeitung einen Handschuh hinwerfen - und gleich ein ganzes Paar, lässig. (...) Auch der Engländer Lehmann hat bei Bild keine so guten Freunde wie der deutsche Titan. Kahn kann auf Bild-Kaiser Beckenbauer zählen und die Bild affinen Bayern-Fürsten, die Klinsmann jetzt wohl noch weniger mögen. Jüngste Äußerungen der Bayern-Granden machten klar, dass sie Klinsmann als Ärgernis empfinden. Man muss nicht weit suchen, um die Quelle des Ärgernisses zu finden: gelassene Unabhängigkeit." (Telepolis)
Klinsmann also als Underdog, der sich wacker der Übermacht aus Kaiser, Bayern-Fürsten und Bild-Redaktion entgegenstemmt? Es gibt natürlich auch eine andere Darstellung der Geschichte, die Klinsmanns eigenes, als sehr einflußreich geltenes Netzwerk betont. So schreibt etwa Wolfram Eilenberger in Cicero über Klinsmanns Firma "Soccersolutions":
"In Kalifornien war er vor allem Fußball-Geschäftsmann. Gemeinsam mit dem ehemaligen Adidas-Manager Warren Mersereau und Mick Hoban – einem weiteren Schwergewicht im globalen Fußballgeschäft – ist Klinsmann Inhaber der Firma 'Soccersolutions'. Soccersolutions besteht aus einer Website, drei E-Mailadressen und einem globalen Netzwerk von Freundschaften und langjährigen Geschäftsbeziehungen. Die Fäden reichen vom Sitz des Brasilianischen Fußballverbandes bis ins Zentrum des amerikanischen Nike-Konzerns. Die gesamte Konzeption, die Klinsmann für die Zukunft des Deutschen Fußballs erdacht hat, ist ein Werk dieses Dreigespanns. Weshalb nicht wenige in der Frankfurter Zentrale des DFB befürchten, in Gestalt Klinsmanns von einem Netzwerk ferngesteuert zu werden, dessen Interessen weder durchschaut noch kontrolliert werden können." (Cicero)
Also "Soccersolutions" als einflußreiches Gegengewicht zur "Triple-B-Allianz"? Zumindest im Inland sind die drei großen Bs tonangebend, insofern kann man Klinsmanns Entscheidung Pro-Lehmann schon als mutig bezeichnen. Endgültig klar ist damit aber auch, daß Klinsmann nichts mehr zu melden haben wird, wenn die deutsche Elf den Titel nicht tatsächlich holt. Aber das war vielleicht schon von Anfang an klar. Klinsmanns Vertrag läuft im Juli 2006 aus und er hat bisher keine Anstalten gemacht, ihn verlängern zu lassen. Es wäre dann aber immerhin der vielleicht erste Vertrag, den er nicht vorzeitig kündigt:
"Da scheint es auf, das Muster aus Perfektionismus, sozialem Engagement und radikalem Eigensinn, für das der Bundestrainer schon als Spieler berüchtigt war. My way or the highway. Tatsächlich hat Jürgen Klinsmann in seinen 15 Jahren als Spitzen-Profi keinen einzigen Vertrag erfüllt. Ob in Stuttgart, Mailand, Monaco, London, München und Genua, stets ging der Weltklassestürmer vor der Zeit. Von Streit hat Klinsmann indes nie gesprochen. In seiner Welt heißt das 'andere Vorstellungen'. Meist waren es finanzielle." (Cicero)
Ob die Entscheidung Lehmann den Vorzug vor Kahn zu geben sachlich richtig war, ist auch bei den Kommentatoren umstritten. Die meisten tendieren aber soweit ich es überlicke dazu, Klinsmann recht zu geben, da Kahn in den letzten Wochen deutlich geschwächelt hatte, während sich sein Konkurrent Lehmann in Topform präsentierte. Achim Achilles frotzelt in seiner SPON-Kolumne:
"Unser Olli, das ist so ein tragischer Testosteron-Fühler. Fletscht und brüllt und fuchtelt und hüpft immer noch herum wie ein wilder Stier. Aber es ist nicht mehr so wie früher. Auch wenn er es so gern will. Es ist leider nur noch so-tun-als-ob. So wie Klaus Meine von den 'Scorpions': Schwarze Mütze über der Halbglatze, Lederhose mit Elastikbündchen und 'Wind of Change', lebenslänglich. Nun also unser Olli. Noch so einer, der die Kurve nicht im richtigen Moment gekriegt hat. Morbus Scharping. Einer, der sich öffentlich demütigen lassen muss, weil er Stolz und Dickköpfigkeit verwechselt und einfach nicht merken will, wann es genug ist." (SPON)
Achilles beschreibt Kahn als jemand der seinen Zenit überschritten hat, der seinen Testosteron-Fluß vortäuschen muß, weil dieser längst ausbleibt. Kahn ist einfach zu alt. Was Achilles dabei wissentlich oder unwissentlich außen vor läßt ist, daß Lehmann genau wie Kahn Jahrgang 1969 ist. Lehmann mag vielleicht zur Zeit in besserer Form sein, jünger und "testosteronreicher" ist er damit nicht. Die jW-Autorin Uschi Diesl ist mit Klinsmann Entscheidung weniger zufrieden als der SPON-Kollege und schreibt bissig:
"Unverbrauchter Offensivfußball ist Klinsmanns Markenzeichen. Wer gute Erfahrungen mit der gegenteiligen Auffassung gemacht hat, daß Hauptsache hinten die Null steht, der nervt und muß weg. Weil der deutsche Fußball vor Klinsmann defensiv ausgerichtet war, nervt im Prinzip jeder erfahrene Spieler. Lehmann kommt nicht auf ein Drittel der Länderspieleinsätze von Kahn, und spielt im Gegensatz zu diesem liebend gern mal vorne mit. Während Kahn Fehler nur aus übersteigertem Perfektionsanspruch macht, ist Lehmann für großkotzigen Leichtsinn bekannt. Kahn hält eher zu wenig von sich, Lehmann eher zu viel. Deswegen paßt er besser ins System Klinsmann." (junge Welt)
Mit "großkotziger Leichtsinn" ist hier vermutlich Lehmanns "libero-artiges Spiel außerhalb des Strafraums" (Wikipedia) gemeint, das ihm schon mehrere Gegentore eingebracht hat.
Auffällig ist, daß solche ja eigentlich sachlichen Fragen in der öffentlichen Diskussion nicht mal im Vordergrund stehen. Es geht immer nur darum, ob die ganze Sache nicht ein abgekartetes Spiel war, ob für Klinsmann nicht von Anfang an klar war, daß es Lehmann wird, ob Klinsmann von Anfang an Kahn systematisch demontiert hat oder ob nicht umgekehrt Beckenbauer und Co. ständig versucht haben Klinsmann zu diskreditieren und dieser einfach reagieren mußte. Oder gab es vielleicht ganz andere, ökonomische Interessen? Rudi Brückner schreibt in einer eurosport.de-Kolumne:
"Dass der frühere Berater von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff seit längerer Zeit schon der Berater von Jens Lehmann ist und dieser selbstverständlich ein persönliches Interesse an großer Vermarktung seines Schützlings hat und seinen 'guten Draht' zu seinem früheren Schützling genutzt hat, sei hier nur am Rande dieses abgekarteten Spiels erwähnt." (eurosport.de)
Und wie passen eigentlich Klinsmanns Ambitionen die er mit seiner Firma "Soccersolutions" hegt in dieses Spiel? etc. pp. Die Mutmaßungen und Verschwörungstheorien sprießen, die Kommentatoren spalten sich in ein Pro- und ein Kontra-Klinsmann-Lager.
Die Frage ist, ob der Zeitpunkt richtig gewählt war. Hätte Klinsmann noch bis nach dem Bremen-Spiel warten sollen? Auch das wäre von Kahn-Befürwortern doch als unpassend gewertet worden, weil es dann geheißen hätte, Klinsmann nimmt das eine schlechte Spiel gegen Bremen zum Anlaß. Hätte er die Entscheidung noch länger hinauszögern sollen? Es waren doch gerade die Bayern, die Druck machten, daß er sich endlich entscheiden sollte. Christian Gödecke schreibt bei SPON:
"Liebe Bayern, wer hat denn diese schnelle Entscheidung gefordert? Wer hat den öffentlichen Druck entfacht? Die Antwort sind die Münchner selbst, und die Erkenntnis daraus so ironisch wie bitter zugleich. Mit ihren an Penetranz grenzenden Zwischenrufen nach einer Entscheidung pro Kahn und den ungefragt geäußerten Schutzbehauptungen im Anschluss an jeden Fehler ihres Keepers (Tenor: Kahn patzt, weil er seinen Stammplatz im DFB-Team nicht sicher hat) haben die Bayern-Verantwortlichen ihrem Torwart mehr geschadet als genützt." (SPON)
Sicher wurden Kahn und Lehmann durch dieses Hinhalten, das nicht-endgültig-festlegen-wollen unter Druck gesetzt. Doch gerade darum ging es doch, festzustellen, wie sich die beiden unter Druck verhalten. Denn der Druck, dem der Keeper dann während der WM im eigenen Land ausgesetzt ist, dürfte noch mal ungleich höher sein. Die letzten Wochen haben gezeigt, daß Lehmann offenbar besser unter Druck spielen kann, als Kahn -- obwohl dies ja eigentlich besonders dessen Stärke sein soll.
Und ein Bundestrainer, der sich in seiner Entscheidungsfindung nach Bild, Beckenbauer oder dem Volksmund richtet, wäre uns das tatsächlich lieber? Man sollte Klinsmann machen lassen, ob er mit seinen Entscheidungen richtig lag oder nicht, wird sich ohnehin erst im Sommer endgültig klären lassen.
Eher Pro-Klinsmann-Artikel:
- Thomas Pany, "Nur einer ist Titan: Klinsmann", TP, 08.04.06
- Achim Achilles, "Ollis Testosteron-Nostalgie", SPON, 08.04.06
- Christian Gödecke, "Die Rache des Dickschädels", SPON, 08.04.06
Eher Kontra-Klinsmann-Artikel:
- Wolfram Eilenberger, "Looking for Jürgen", Cicero, 03/06
- Uschi Diesl, "Ausgebufft ausgebootet", junge Welt, 08.04.06
- Rudi Brückner, "Brückners Breitseite", eurosport.de, 08.04.06
Dienstag, Februar 21, 2006
Österreicher flitzen über die Grenze
Nach den Doping-Razzien in den Unterkünften der österreichischen Biathleten in Turin am vergangenen Samstag hatten sich die beiden Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann über die Grenze in ihr Heimatland abgesetzt. Auslöser des Skandals war offenbar der Ex-Biathlon-Trainer Walter Mayer, der obwohl gesperrt bei der österreichischen Mannschaft in Turin verweilte (angeblich als Privatperson). Die italienischen Carabinieri wollen bei der Durchsuchung der Unterkünfte belastenes Material gefunden haben.
Nun hat die italienische Polizei weitere Quartiere durchsucht, Ziel war diesmal das Haus der österreichischen Langläufer, in dem sich Walter Mayer ebenfalls aufgehalten haben soll. Auch hier will man angeblich belastende Utensilien sichgerstellt haben. Darauf verließen heute Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch und Skilangläufer Roland Diethart das Land. Der Sportdirektor der österreichischen Biathleten und Langläufer, Markus Gandler, erklärte jedoch, daß die Abreise von Diethart angemeldet gewesen sei, nur die von Hoch würde mit dem Fall Mayer zusammenhängen (SPON).
Auch Walter Mayer hat Italien inzwischen verlassen, bei seiner Flucht nach Österreich soll er nach Presseberichten durchgedreht haben: Nachdem er in seinem Auto übernachtet hatte, wollte die von Anwohnern herbeigerufene Polizei das Fahrzeug kontrollieren, woraufhin Mayer mit seinem Wagen die Flucht ergriff und in einen abgestellten Streifenwagen fuhr. Leicht verletzt verweigerte er anschließend einen Alkoholtest, woraufhin ihm der Führerschein abgenommen wurde (Tagesspiegel).
Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, versuchter schwerer Körperverletzung (er hatte bei dem Fluchtmanöver auch einen Polizisten angefahren) sowie schwerer Sachbeschädigung wurde Mayer dann vorübergehend festgenommen. Nach der Vernehmung begab er sich zur psychiatrischen Behandlung ins Landeskrankenhaus von Klagenfurt. Inzwischen hat sich gegenüber einem Untersuchungsrichter in Klagenfurt als geständig erwiesen (FOCUS).
Die österreichische Olympia-Delegation zeigte sich währenddessen heute empört, ob ihrer Behandlung durch die italienische Justiz. Merkwürdig bleibt bei allen Unschuldbeteuerungen aber doch, warum neben Mayer inzwischen schon drei Athleten und ein Trainer überstürzt ausgereist sind. Wenn das so weiter geht, ist bald die komplette österreichische Mannschaft vor Ende der Spiele zurück in Österreich.
Nachtrag:
Der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) hat inzwischen auf einer Pressekonferenz bestätigt, daß bei Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann Doping-Mittel gefunden worden sind (SPON). Wie Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch da reinpaßt ist noch unklar. Unschuldig scheint jedoch Roland Diethart zu sein, der die Spiele aus anderen Gründen vorzeitig verlassen hat.
Nun hat die italienische Polizei weitere Quartiere durchsucht, Ziel war diesmal das Haus der österreichischen Langläufer, in dem sich Walter Mayer ebenfalls aufgehalten haben soll. Auch hier will man angeblich belastende Utensilien sichgerstellt haben. Darauf verließen heute Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch und Skilangläufer Roland Diethart das Land. Der Sportdirektor der österreichischen Biathleten und Langläufer, Markus Gandler, erklärte jedoch, daß die Abreise von Diethart angemeldet gewesen sei, nur die von Hoch würde mit dem Fall Mayer zusammenhängen (SPON).
Auch Walter Mayer hat Italien inzwischen verlassen, bei seiner Flucht nach Österreich soll er nach Presseberichten durchgedreht haben: Nachdem er in seinem Auto übernachtet hatte, wollte die von Anwohnern herbeigerufene Polizei das Fahrzeug kontrollieren, woraufhin Mayer mit seinem Wagen die Flucht ergriff und in einen abgestellten Streifenwagen fuhr. Leicht verletzt verweigerte er anschließend einen Alkoholtest, woraufhin ihm der Führerschein abgenommen wurde (Tagesspiegel).
Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, versuchter schwerer Körperverletzung (er hatte bei dem Fluchtmanöver auch einen Polizisten angefahren) sowie schwerer Sachbeschädigung wurde Mayer dann vorübergehend festgenommen. Nach der Vernehmung begab er sich zur psychiatrischen Behandlung ins Landeskrankenhaus von Klagenfurt. Inzwischen hat sich gegenüber einem Untersuchungsrichter in Klagenfurt als geständig erwiesen (FOCUS).
Die österreichische Olympia-Delegation zeigte sich währenddessen heute empört, ob ihrer Behandlung durch die italienische Justiz. Merkwürdig bleibt bei allen Unschuldbeteuerungen aber doch, warum neben Mayer inzwischen schon drei Athleten und ein Trainer überstürzt ausgereist sind. Wenn das so weiter geht, ist bald die komplette österreichische Mannschaft vor Ende der Spiele zurück in Österreich.
Nachtrag:
Der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) hat inzwischen auf einer Pressekonferenz bestätigt, daß bei Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann Doping-Mittel gefunden worden sind (SPON). Wie Langlauf-Cheftrainer Emil Hoch da reinpaßt ist noch unklar. Unschuldig scheint jedoch Roland Diethart zu sein, der die Spiele aus anderen Gründen vorzeitig verlassen hat.
Donnerstag, März 31, 2005
Ribbeckeskes Gekicke *rofl*
"... Jürgen Klinsmann stieß ins gleiche Horn. 'Wir schämen uns', traf er das medial nachgefragte Betroffenheits-Idiom gewohnt perfekt. Für seine Scham hätte er auch noch andere Gründe nennen dürfen. Zuvorderst das ribbeckeske Gekicke seiner Auserwählten..."
- Marek Lantz, junge Welt, 29.03.05
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