Dienstag, September 12, 2006

MSN Chats endgültig vor dem Aus?

Nachdem Microsoft die "MSN Groups" nicht in seine neue "Windows Live Offensive" (alle Web-Dienste werden mit dem Zusatz "Windows Live" versehen) aufgenommen hat, mehren sich die Vermutungen, daß Microsoft vielleicht plant, die "MSN Groups" in nächster Zeit ganz einzustellen.

Zumindest die MSN Chaträume (!) in den USA werden am 18. Oktober definitiv geschlossen:

"On August 31st Microsoft announced that MSN chat will no longer be provided and all rooms will be closed on October 18th 2006" (Wikipedia)

"IMPORTANT NOTICE: MSN Chat will no longer be offered on or after October 18th." (us-englische Website von chat.msn.com)

Die Schließung betrifft sowohl die so genannten "Public Chats", die in Deutschland bereits seit September 2003 geschlossen sind, als auch die den Groups angegliederten "Group Chats". In der englischsprachigen MSN Group "Community Feedback" heißt es in einer dort geposteten Antwort vom Technical Support:

"(...) With this, MSN Chat will no longer be offered as of October 2006. In line with this, the chat feature within MSN Groups will also be affected (sic!)." (Community Feedback, ID Message 1100856)

Wie die Lage in Deutschland aussieht, hat Susanne versucht zu klären, die Antwort des deutschen Supports kann in der MSN Group "Der Start - spezial" nachgelesen werden. Dort heißt es:

"(...) dass Sie sich erkundigen, inwiefern die geplante Änderung in MSN Chat den deutschen Markt betreffen wird. (...) Nachdem wir eine signifikante Verringerung der Anwender des MSN Chats über die letzten 12 Monate festgestellt hatten, wurde der Entschluss gefasst, den MSN Chat ab Oktober 2006 nicht länger anzubieten." (Der Start - spezial, ID Message 11733)

Die Chats werden demnach also in Deutschland genauso geschlossen. Komisch dabei ist, daß es anders als in den USA dazu bisher keine offizielle Verlautbarung von MSN gibt. Dies kann daran liegen, daß die "Public Chats" wie erwähnt bereits seit Septmber 2003 bei uns nicht mehr existieren (sondern eben nur die "Group Chats").

Wahrscheinlich ist jedoch, daß wenn MSN -- wie es sich in den USA offenbar eindeutig abzeichnet -- die Chats insgesamt schließt (also Public Chats und Group Chats), dies auch die deutschen Groups betrifft. Ansonsten würden sich alle amerikanischen Nutzer doch einfach eine Group im deutschen Bereich zulegen (language switch En-Us -> De-De, danach einen backswitch) um wieder eine Group mit Chat zu haben. Nein, ich bin mir relativ sicher, daß wenn es zu einer Komplettabschaltung der Chaträume in den Groups kommt, dies alle Groups betreffen wird (vielleicht mit einer Zeitverzögerung je nach Land).

Irritierend ist, daß in dem Schreiben des deutschen Supports offenbar einfach nur eine Übersetzung der englischen Verlautbarung gebracht wurde. Dort ist einfach nur von "MSN Chat" die Rede, zwischen "Public Chats" und "Group Chats" wird nicht differenziert. Auch wenn es die "Public Chats" in Deutschland seit 3 Jahren nicht mehr gibt, wäre ein expliziter Verweis auf die "Group Chats" wünschenswert, damit endgültig Gewißheit herrscht. Denkbar wenn auch unwahrscheinlich wäre es ja, daß hier einfach eine englische Ankündigung übersetzt und übernommen wurde, ohne hinreichend zu prüfen, ob es tatsächlich auch Deutschland betrifft. Wenig Sinn machen zumindest Sätze wie:

"MSN Chat Anwender werden über die MSN Chat homepage in naher Zukunft über weitere Details informiert." (Der Start - spezial, ID Message 11733)

Denn in Deutschland gibt es ja keine "MSN Chat homepage" mehr, sondern nur diese alte Infoseite, die man zu sehen bekommt, wenn man auf chat.msn.de geht. Auf diese Seite schaut aber doch der normale Group-Chat-Nutzer gar nicht mehr. Vermutlich wäre die Info wenn, dann auf der deutschsprachigen Groups Seite (groups.msn.de) zu finden.

Insgesamt läßt sich sagen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß die deutschen MSN Group Chats nach dem Oktober weiterhin bestehen als gering einzuschätzen ist. Die Indizien sprechen eher für eine Schließung. Stärkstes Argument ist hier die belegbare Ankündigung, daß in den USA auch die Group Chats geschlossen werden. Für Deutschland läßt sich das nach derzeitiger Faktenlage nicht mit gleicher Gewißheit sagen, die Antwort vom deutschen Support spricht aber dafür (... "inwiefern die geplante Änderung in MSN Chat den deutschen Markt betreffen wird (...) wurde der Entschluss gefasst, den MSN Chat ab Oktober 2006 nicht länger anzubieten", Der Start - spezial, ID Message 11733).

Die Frage ist, was dann? Nicht wenige deutschsprachige MSN Groups leben ja von ihrer Chat-Community. Es wird sich vermutlich ein Trend fortsetzen, der sich bisher schon abzeichnete: Das Ausweichen auf Drittanbieter was die Verwendung eines Chats angeht. Dort muß man sich dann aber immer noch mal separat anmelden und jede Group greift dann womöglich auf ein anderes Chatsystem zurück. Alles sehr mühselig und nicht besonders benutzerfreundlich. Letztlich würde es wahrscheinlich zu einem schleichenden Zusammenbruch der Group Community in Deutschland kommen.

Und das ist vielleicht durchaus gewollt. Nachdem die Groups wegen des Wegfallens des Chats weiter stark Mitglieder verlieren, werden dann im nächsten Schritt konsequenterweise die MSN Groups ganz geschlossen. Und werden die MSN Groups allen Unkenrufen zum Trotz doch nicht geschlossen, werden sich langfristig nur die Groups halten, in deren Zentrum das Forum (Messageboard) und nicht der Chat steht.

Nachtrag, 20.09.06

In Österreich und der Schweiz ist es jetzt amtlich:

"Der Chatdienst steht ab dem 18. Oktober 2006 nicht mehr zur Verfügung. Wir danken Ihnen für die Verwendung des Dienstes und entschuldigen uns für eventuelle Unannehmlichkeiten."

Nachtrag, 16.10.06

Heute wurden, zwei Tage früher als ursprünglich geplant, tatsächlich alle MSN Group-Chats dichtgemacht. Entsprechend findet sich auch ein Hinweis auf der deutschen Groups-Hauptseite, der zur alten (jetzt aktualisierten) Info-Seite führt. Dort heißt es lapidar wie auch schon früher bei ausländischen Group-Dependancen:

"Ab dem 16. Oktober 2006 wird der Chat innerhalb von MSN Groups nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir danken Ihnen für die Verwendung des Dienstes und bedauern die mit der Schließung der Chats verbundenen eventuellen Unannehmlichkeiten."

Montag, September 11, 2006

Im Gedenken an 9/11

Seit 2003 platziere ich jedes Jahr am 11.09. einen Thread in den MSN Groups (2003, 2004, 2005, 2006), der den Titel "Im Gedenken an 9/11" trägt. Das Ausgangspostings enthält nichts weiter als ein Bild von Salvador Allende. Zwar erkennt natürlich nicht jeder sein Gesicht, aber aus dem Namen der entsprechenden Jpeg-Datei geht hervor, wer die Person ist. Nicht ganz klar ist den meisten, was nun Allende mit "9/11" zu tun hat, denn die meisten assoziieren mit dem 11. September natürlich den Terroanschlag von 2001 und nicht den Putsch von 1973 in Chile (in den die USA verwickelt waren).

Ursprünglich entstanden ist diese "Tradition" heraus als Persiflage der pathos-triefenden 9/11-Gedenkpostings in den MSN Groups (mit protzigen, animierten Gifs, usw.). Zwar ist natürlich generell nichts gegen Trauer und Gedenken zu sagen, die Frage stellt sich aber dennoch: Warum wird jedes Jahr der Opfer vom 11.09.2001 gedacht, aber nicht der vom 11.09.1973 (bzw. der Folgeopfer in der Pinochet-Diktatur)?

Hier das Posting von 2004 aus meinem alten Nucleus-Blog:

Im Gedenken an den 11.09. ...

seit den anschlägen in new york 2001 wird weltweit alljährlich am 11.09. der opfer dieses terrors gedacht. bei all dem tamtam verliert man schnell aus den augen, daß sich am 11.09. auch noch ganz andere historische ereignisse jähren.

so wurde z.b. vor 31 jahren am 11.09.1973 der chilenische präsident salvador allende im zuge eines putsches ermodert. ihm folgte die diktatur pinochets, der bis zu ihrem ende etwa 3000 menschen zum opfer fielen. allende war demokratisch gewählt, stand jedoch als kommunist den interessen der us-regierung entgegen, so daß dann wohl auch die CIA in den sturz allendes mitverwickelt war. völlig unverblümt brachte das der spätere us-außenminister henry kissinger 1970 auf den punkt, als er im hinblick auf den bevorstehenden wahlsiegs allendes in chile sagte: "I don't see why we need to stand by and watch a country go communist because of the irresponsibility of its own people."

wenn also in einem land eine kommunistische regierung frei gewählt wird, dann zeugt das von der unverantwortlichkeit der bevölkerung in diesem land und die USA müssen dies nicht hinnehmen. so wurde die beteiligung am putsch legitimiert und die rechtsgerichtete diktatur unter pinochet gut geheißen, weil sie aus sicht der USA eine angenehmere alternative zu einer allzu linksgerichteten regierung war.

wenn sich die welt nun jährlich an die opfer von 2001 in new york erinnert, aber keiner an diesen blutigen putsch, was bedeutet das dann? daß ein us-bürger, der von islamistischen terroristen ermordert wurde, eher betrauert werden sollte, als ein chilenischer bürger der in einer diktatur umgekommen ist, die von den USA mitinstalliert wurde? oder liegt es daran, daß es von 1973 keine so medienwirksamen bilder gibt, wie von 2001? oder einfach daran, daß 2001 kürzer zurück liegt und immer noch aktuell ist, während die süd-amerika-politik der USA im kalten krieg keinen mehr interessiert?

"selektive geschichtswahrnehmung" bedeutet, man nimmt nur den teil der vergangenheit wahr, der ins eigene, aktuelle weltbild paßt. der unangenehme rest wird ausgeblendet, wenn er im pathosschweren und patriotismustrunkenden gedöns keinen platz mehr findet.

Zum Nachlesen:

- taz, 1998: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der Putsch in Chile
- Telepolis, 2003: Der erste 11. September
- Freitag, 2003: Zusehen, wie ein Land kommunistisch wird?
- Historische Übersicht über US-Militärinterventionen in Amerika
- Chile Documentation Project (CIA-Papiere zu Chile)

Sonntag, September 10, 2006

11'09"01 - September 11

Pünktlich zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 ist auch in Deutschland wieder ein breites Angebot an Dokumentationen im Fernsehen zu finden, die den Terroranschlag dokumentieren.

Brauchbare Filme zum Ereignis gibt es bisher nur wenige und alle sind in der Regel stark umstritten (siehe z.B. Oliver Stones neuer Film "World Trade Center"). Einer der bis dato besten Filme zu dem Thema ist der Episoden-Spielfilm 11'09"01 - September 11 aus dem Jahr 2002 (also nur ein Jahr nach den Anschlägen).

Der Film ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt: 11 Regisseure haben jedenfalls einen Kurzfilm zum besagten Datum gedreht. Die einzige Bedingung der Initiatoren war, daß jeder Kurzfilm genau 11 Minuten, 9 Sekunden und 1 Bild lang ist (daher die Schreibweise des Titels 11'09"01, natürlich auch in Anspielung auf das Datum der Anschläge).

Die 11 Regisseure sind
- Samira Makhmalbaf (Iran),
- Claude Lelouch (Frankreich),
- Youssef Chahine (Ägypten),
- Danis Tanovic (Bosnien-Herzegowina),
- Idrissa Ouédraogo (Burkina Faso),
- Ken Loach (Großbritannien),
- Alejandro González Iñárritu (Mexiko),
- Amos Gitai (Israel),
- Mira Nair (Indien),
- Sean Penn (USA) und
- Shohei Imamura (Japan).

So unterschiedlich der kulturelle Background der 11 Filmemacher ist, so unterschiedlich sind auch ihre Assoziationen mit dem Datum. Der Brite Loach bringt das Datum z.B. in Verbindung mit dem 11. September 1973, dem Tag an dem Pinochet mit Hilfe der USA Allende stürzte und eine Militärdiktatur errichtete. In Burkina Faso läßt Regisseur Ouédraogo zwei Jungen auf die Jagd nach dem Chefterroristen höchstselbst gehen. Sie meinen ihn erkannt zu haben und wollen die Belohnung einstreichen, die ihnen einen Ausweg aus der Armut bieten würde. In Sean Penns Episode spielt Ernest Borgnine einen einsamen, resignierten Rentner der in New York in seiner Wohnung vor sich hinvegetiert. Als die Türme des World Trade Centers fallen, erhält seine Wohnung - die bisher im Schatten der Türme stand - auf einmal Licht und verwelkte Blumen auf dem Fensterbrett fangen symbolisch wieder an zu blühen. Eine ästhetisch und kameratechnisch geniale Episode.

Die verschiedenen Sichtweisen der Filmemacher dokumentieren die Komplexität der Realität und stehen damit auch als ein Appell gegen eine zu einseitige, allein auf Schwarz-Weiß-Denken basierende Wahrnehmung. Ein- und dasselbe Ereignis kann bei unterschiedlichen Personen divergente Wahrnehmungen hervorrufen. Anders als z.B. bei Oliver Stones neuem Film ist es also nicht das Ziel dieses Epiosdenfilms, einfach nur den Ablauf des Attentats (und das daraus resultierende Grauen) auf die Leinwand zu bannen, sondern das Thema "9/11" etwas abstrakter und vielschichtiger anzugehen. Den Film ist in jedem Fall sehenswert, auch wenn die Episoden von teils unterschiedlicher Qualität sind. Der eine mag den einen Part lieber, der nächste einen anderen. Insgesamt ist der Film jedoch sowohl ästhetisch wie politisch ansprechend.

Der Film läuft zu den folgenden Terminen:

- 11.09.06, ARTE, 22:15 Uhr
- 12.09.06, NDR, 23:45 Uhr
- 14.09.06, SF2, 03:20 Uhr
- 16.09.06, ARTE, 00:40 Uhr

Sonntag, September 03, 2006

Wenn im "Kurhaus Weissbad" die Tische aus dem Fenster fliegen



Mit "Horst" hat die deutsche Rap-Combo Blumentopf (nicht zu verwechseln mit Blumfeld) ein absolutes Kultvideo rausgebracht. Als Low-Budget-Clip gedreht (zumindest wirkt er so), geht es im wesentlichen um simple physikalische Tricks und ein wenig Pyrotechnik. Trashig natürlich, aber das ist ganz offensichtlich gewollt und alle mal unterhaltsamer als moderne computeranimierte Special Effects. Vom Stil her ist es fast schon eher Pop (im Sinne eines Rocko Schamoni), als Rap. Und was den Text angeht, nun ja, er paßt halt zum Titel... :p

Samstag, September 02, 2006

Hörenswert (3)

Die "Eagles Of Death Metal" sind eine Rock-Band um den Frontman Jesse Hughes, optisch bekannt vor allem durch seinen markanten Schnauzer. Mastermind der Band ist jedoch Josh Homme, den die meisten vermutlich eher von der bekannteren Band "Queens of the Stone Age" kennen. Daher erinnert der Sound der Band musikalisch auch stark an die Queens of the Stone Age. Es ist ein tiefer, archaischer, psychedelischer Rock, eben Stoner Rock. Anders als der Name der Band suggeriert, geht es hier also nicht um "Death Metal".

Führten die Eagles of Death Metal bisher eher ein Nischendasein sind sie mit ihrem neuen Album "Death By Sexy" im Mainstream angekommen. Zumindest lief das Video zu "I Want You So Hard (Boy's Bad News)" eine zeitlang bei MTV rauf und runter. Es erscheinen unter anderem Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters, etc.) und Jack Black (Tenacious D, legendär unter anderem für ihr Ulk-Video zu ihrem Song "Tribute") an einer Theke. Den Song kann sich auf der entsprechenden MySpace-Präsenz anhören.